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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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K  a  11  e  n  b  r  n  n  n  e  r.

Osterfest  aufgestellt  worden  wäre,  sicherlich  wiederholt  hätten,
und  auch  der  romantische  Wunsch  mancher  Verfechter  der
astronomischen  Rechnung,  die  Päpste  sollten  wieder  zu  dem
,pascham  indicire - '  ihrer  ältesten  Vorgänger  zurückkehren,  hätte
der  Streitsucht  kaum  Schranken  auferlegen  können.  So  müssen
wir  den  nüchternen  Realismus,  von  dem  sich  die  römischen
Astronomen  leiten  liessen,  nur  billigen,  müssen  ihnen  Recht
geben,  dass  sie  für  das  als  nöthig  angesehene  kirchliche  Kalendarium ­
  und  die  Bestimmung  des  Osterfestes  die  cyclische  Rechnung ­
  beibehielten.  Es  kann  Wunder  nehmen,  dass  die  radicalen
Wiener  und  Portugiesen,  sowie  ihre  Vorläufer  nicht  weiter  gegangen ­
  sind,  die  kirchliche  Osterfeier  über  Bord  werfen  und
Ostern  zu  einem  unbeweglichen  Feste  erklärt  wissen  wollten.
Hätten  sie  diesen  Schritt  zu  thun  gewagt  —  und  seine  Eiiaubtheit
  wurde  von  gut  katholischer,  ihnen  bekannter  Seite,  nämlich
von  Paulus  v.  Middelburg  bewiesen  —  so  wäre  Consequenz  in
ihrem  System  gewesen,  denn  dann  hätte  man  in  der  That  der
cyclischen  Rechnung  gar  nicht  bedurft,  dann  wäre  die  Vorrechnung ­
  von  Himmelserscheinungen  für  den  christlichen  Kult
ganz  überflüssig,  das  Kalenderwesen  überhaupt  ganz  losgelöst
vom  kirchlichen  Gottesdienste  geworden,  dann  wäre  es  auch
gleichgiltig  und  keine  Streitigkeiten  gebärend  gewesen,  ob
der  eine  Astronom  das  Aequinoctium  und  einen  Vollmond
anders  bestimmte  als  ein  anderer,  denn  der  zum  Federkampfe
einladende  Turnierplan  des  Osteransatzes  wäre  gesperrt  gewesen. ­
  In  keinem  der  Gutachten  wird  die  Unbeweglichkeit  des
Osterfestes  auch  nur  angedeutet,  und  der  Kalendercommission
lag  sie,  wenn  sie  auch  vielleicht  von  einigen  Mitgliedern  als
erlaubt  und  durchführbar  angesehen  werden  mochte, 1  ferne,
sie  lag  auch  ferne  den  Absichten  Gregors  XIII.,  der  bei  seiner
Reform  möglichst  wenig  an  den  alten  Regeln  geändert  wissen
wollte;  2  und  so  blieb  denn  immerhin  das  Beste,  die  cyclische
Rechnung  beizubehalten.  Sie  wurde  aber  in  Rom  nicht  als
selbstverständlich  angenommen,  denn  Clavius  verbreitet  sich
1  Clavius,  Explicatio  p.  59:  ,Non  sunt  audiendi,  qui  ita  (Ecclesiam  debere
solemnitateni  Paschalem  peragere  stato  semper  die)  censent,  quamvis
Ecclesia  id  suo  iure  utens  libere  facere  posset  et  nemo  eam  ob  id  posset
reprehendere*  etc.
2  Clavius,  Explicatio  p.  580.
            
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