Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

510

Hoernes.

zudringen  verhinderte  mich  der  jähere  Abfall,  die  Finsterniss
der  gähnenden  Tiefe  und  ein  Gefühl  des  Schauers,  das
mich  momentan  übermannte,  als  eine  Schaar  wilder  Tauben,
die  in  den  Felshöhlen  nisteten,  mit  lautem  Flügelschlag  blitzschnell ­
  und  dicht  an  mir  vorüber  das  Freie  suchte.
Als  ich  wieder  übers  Dach  zurückgeklettert  war,  fand
ich  die  früher  verschlossen  gewesene  Thüre  geöffnet  und  betrat
das  enge  und  düstere  Grabgemach  des  erwähnten  türkischen
Heiligen.  Zwei  bedeckte  Holzsärge  umschliessen  die  Leiber
des  frommen  Gottesstreiters  und  seines  treuen  Dieners,  der
neben  ihm  bestattet  ist.  Ein  alter  Säbel  und  ein  Streitkolben
hängen  an  der  Wand  —  dieselben  Gegenstände  sind  aussen,
an  der  dem  Fluss  zugekehrten  Wand,  in  bemaltem  Relief  dargestellt ­
  —  Schaffelle  und  Teppiche  bedecken  den  Boden.  Es
gibt  noch  Wassergefässe,  Schälchen,  Tücher  und  in  einigen
Fächern  allerlei  gottesdienstliche  Requisiten.  Das  Ganze  macht
einen  keineswegs  feierlichen,  sondern  dumpfen  und  ärmlichen
Eindruck.  Nur  die  Wahl  des  Ortes,  der  im  höchsten  Grade
das  vereinigt,  was  der  Türke  von  der  Natur  verlangt:  kühle
Schatten,  Wasserrauschen,  Ruhe  und  Einsamkeit,  bringt  diese
fremdartige  Grabstätte  auch  unserem  Gefühle  näher.
Unweit  der  Einmündung  der  Buna  in  die  Narenta,  am
Südende  der  Ebene  Bisce,  ist  der  Felsdurchbruch  Zaton  (hoc
est,  quasi  diceres  Submergens,  Schern.),  zwischen  den  Bergen
Gubavica  im  Osten  und  Trtre  im  Westen,  welcher  der  Narenta
durch  ein  zwei  Stunden  langes  Defilee  den  Ausweg  aus  der
Ebene  öffnet,  merkwürdig.  Hier  liegt  am  linken  Ufer  das
serbische  Kloster  2itomislic,  angeblich  1585  von  Miloslav  Miloradovic
  gestiftet  und  reich  beschenkt.'  Die  Localsage  hält  den
ganzen  Felsdurchbruch  für  ein  altes  Menschenwerk  (querndam
  Graecorum  imperatorem  aut  Egypti  regem  Ptolemaeum
altam  confregisse  rupem),  im  Zusammenhang  mit  der  Ueberlieferung,
  dass  die  Ebenen  um  Mostar,  Bisce  im  Süden  und
Bilopolje  im  Norden,  einst  einen  grossen  See  gebildet,  der
erst  in  historischer  Zeit  durch  jene  Felsspalte  seinen  Abfluss
gefunden.  Hoc  et  stratum  glabri  fluvialis  sabuli  ubique  alta

1  Die  Familie  Miloradovic  wanderte  später  nach  Russland  aus.  wo  sie  zu
hohen  Ehren  kam  und  noch  gegenwärtig  blüht.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.