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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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H  oernes.

ragusanischen  Acten  des  14.  und  15.  Jahrhunderts  (Jirecek
1.  c.  Anm.  17).  Mit  dem  Untergang  der  nationalen  Selbstständigkeit ­
  begann  auch  der  Verfall  von  Blagaj  (türkisch  ,Balagaj‘),
das  seine  Rolle  bald  ganz  an  das  aufblühende  Mostar,  wo  der
türkische  Statthalter  residirte,  abtrat.  1
Die  gegenwärtige*,  Stjepans-Grad  genannte  Ruine  lässt
nur  wenig  von  dem  einstigen  Glanz  des  Ortes  erkennen.  Zwar
gewährt  sie,  auf  einem  kahlen,  steil  in  die  Ebene  abfallenden
isolirten  Kalkfelsen  im  Winkel  zwischen  dem  Podvelez  und
dem  Dubrava-Plateau  gelegen,  dem  Wanderer  aus  Nord  und
Süd  schon  von  weitem  einen  imposanten  Anblick,  allein  die  Besteigung ­
  der  Burghöhe  ist  nicht  lohnend  und  wird  daher  selten
unternommen.  Sie  geschieht  durch  jenen  Engpass  im  Osten
der  Unterstadt,  der  auch  über  die  südlichen  Abhänge  der
Velez  auf  einem  sehr  beschwerlichen  Wege  nach  Nevesinje
führt  und  den  Verkehr  zwischen  Mostar  und  diesem  Orte  vermittelt. ­
  Der  Eingang  zur  Burg  befindet  sich  im  Südosten  der
Höhe;  der  Bau  bildet  ein  unregelmifesiges  Viereck  und  bedeckt
den  ganzen  schmalen  Grat  des  Felsenkegels.  Ringsumher  läuft
eine  crennelirte  Mauer,  zwei  Thürme  schützen  den  schwachen
Punkt  der  Feste,  die  zugängliche  Ostseite,  ein  dritter  erhebt
sich  am  südwestlichen  Rande  der  Burg.
Lohnender  als  die  Ersteigung  des  Burgfelsens  ist  ein
Besuch  der  Bunaquelle  am  Fusse  desselben,  einer  Loealität,
an  die  sich,  ausser  dem  topographischen,  ebenfalls  archäologisches ­
  Interesse  knüpft.  Man  passirt  den  kleinen,  jetzt  durch
Truppenbaraken  vergrösserten  Ort  Blagaj  (ungefähr  600  Einwohner, ­
  wovon  nur  etwa  100  Christen),  die  alte  Steinbrücke,
nächst  welcher  ein  kauzeiartiger  Steinbau  auf  natürlicher
Terrasse  auffällt,  und  gelangt  auf  einem  Engweg  zwischen

1  Die  Volkssage  knüpft  an  den  Verfall  von  Blagaj  eine  aus  Historischem
und  Erdichteten  gemischte  Erzählung,  nach  welcher  Grujica,  der  Sohn
Herzog  Stephans,  von  den  Türken  aufgereizt,  sich  wider  den  Vater
empört  und  denselben  in  seiner  Burg  Blagaj  belagert  habe.  Es  wird
noch  ein  Punkt,  durch  spärliche  Ruinen  markirt,  gezeigt,  von  welchem
der  rebellische  Sohn  die  Burg  in  Trümmer  gelegt.  Historisch  ist,  dass
einer  der  Söhne  Stephans  als  Achmed  Hercegovic  Renegat,  Pascha  und
Grossvezier  wurde.  Uebrigens  zeigt  man  auch  bei  Sarajevo  den  Punkt,
von  welchem  die  Grk-Veste  Starigrad  von  den  Türken  beschossen  wurde.
            
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