44
Kalteulirunner.
aufgestellten) Jahresansatz zur Grösse eines Tages anwächst.
Der römische Entwurf hatte in dieser Frage die Bequemlichkeit
im Auge; indem er die Ausschaltung auf die immerhin bedeutsame
Abschnitte bildenden Wendepunkte der Jahrhunderte verlegt,
sichert er dieselbe vor Uebersehen und erhält zugleich
eine leicht dem Gedächtnisse einzuprägende Regel hiefiir. Die
Andern Hessen sich, wenn man so sagen darf, vom Reinlichkeitsgefühle
leiten, denn sie fanden es absurd, dass etwas -schon
nach 100 Jahren corrigirt werde, was nach 134 Jahren thatsächlich
werden wird. Sie meinten dies aber in Verkennung
der Sachlage; denn in der Wirklichkeit wächst der Fehler nach
den Alphonsinischen Tafeln keineswegs immer in 134 Jahren
zu einem Tag an; dies würde voraussetzen, dass die Da.uer des
tropischen Jahres eine constante sei, während man dessen Gegentlieil
auch damals schon wusste; sowie der Jahresansatz nur
ein mittlerer ist, so ist es auch der des Anwachsens des Fehlers.
Konnte man sich also nicht entschliessen, wirkliche astronomische
Beobachtungen dem Kalender zu Grunde zu legen, wodurch
allein eine Jahr für Jahr zutreffende Richtigkeit erlangt
werden konnte, so war es entschieden praktischer, die cyclische
Rechnung (also: Ausschaltung von 3 Tagen in je 400 Jahren)
anzuwenden, als die sogenannten mittleren Bewegungen, die
ihrem Wesen nach ebenso imaginär sind als die durch cyclische
Rechnung gewonnenen Werthe, und wenn auch nicht so oft
als diese, doch auch sehr häufig in Missklang kommen mit
dem, was der beobachtende Astronom vom Himmel selbst abliest.
Die andere Meinungsverschiedenheit betrifft die Frage, auf
welche Monatstage die Jahrpunkte zu fixiren seien. Der Entwurf
schlägt vor, sie da festzusetzen, wo sie in dem im Gebrauche
stehenden Kalender schon lange fälschlich waren, zu
welchem Behufe die Auslassung von 10 Tagen nöthig war.
Zwei andere Vorschläge wurden dagegen aufgestellt: der eine
will sie dort gefestigt haben, wo sie sich in der That befanden;
er war einst, namentlich zur Zeit des Lateranensischen Concils,
sehr stark im Schwange, begegnet uns jetzt aber seltener; er
hätte den einen grossen Vortheil geboten, dass die Verkürzung
eines Jahres ganz überflüssig geworden wäre. Viel häufiger
aber tritt das Verlangen auf, die Jahrpunkte bis zu den Tagen
zurückzurücken, auf welche sie Julius Cäsar gesetzt hatte.