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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Hoern  es.

,  Eisige  Badgemächer',  wie  einst  König  Jugurtha  das  römische ­
  Tullianum  nannte,  sind  die  beiden  halbkreisrunden  Warttlnirme
  an  jedem  Brückenköpfe  mit  ihren  über  klafterdicken
Mauern,  die  den  Eintretenden  mit  kühlem  Schauer  umfangen,
unter  den  Türken  bald  als  Kerker,  bald  als  Pulvermagazine
verwendet.  1  Jeder  der  beiden  Kulas  entspricht  eine  weitere
in  dominirender  Lage,  links  beim  Konak  am  Abhange  des
Podvelez,  rechts  auf  einem  vorspringenden  Felsen  des  Hum,
so  dass  die  Brücke  im  alten  fortificatorischen  Style  mehr  als
hinreichend  geschützt  erscheint.  Jetzt  freilich  haben  diese
Befestigungen  ihren  Werth  verloren,  wie  die  in  einer  der  Kulas
rostenden  Haufen  von  Geschützkugeln  und  ihr  vermorschtes
Treppenwerk  eindringlich  bezeugen.
Beim  Uebersehreiten  der  Brücke  fällt  deren  starke  Steigung ­
  auf,  die  durch  Staffeln  vermittelt  wird;  dafür  belohnt
vom  höchsten  Punkte,  wo  ehemals  eine  Art  von  Pranger  bestanden ­
  haben  soll,  eine  fesselnde  Schau  stromauf-  und  abwärts,
sowie  hinunter  in  die  schwindelnde  Tiefe.  Man  glaubt  es  kaum,
was  von  den  besten  Gewährsmännern  versichert  wird,  dass  der
rapid  anschwellende  Strom  manchmal  durch  mitgeführte  Baumstämme ­
  den  Scheitel  des  Bogens  bedroht,  so  hoch  steigt  die
Fluth  nach  starken  Begengüssen!  Hier  gewahrt  man  auch  die
bedrohlichen  Risse  im  rechtsseitigen  östlichen  Brückenpfeiler,
deren  Beobachtung  wahrscheinlich  der  Grund  war,  weshalb
die  Türken  das  Befahren  der  Brücke  mit  Wagen  nicht  zuliessen.
  Während  der  Occupations-Campagne  passirten  lange
Fuhrwerks-Colonnen  hinüber  und  herüber,  bis  eine  Erweiterung
der  erwähnten  Risse  neuerdings  das  Einstellen  des  Wagenverkehrs ­
  nothwendig  machte.  Uebrigens  sind  Fuhrwerke  in
der  Hercegovina  bekanntlich  eine  seltene  Erscheinung, 2  und
so  gleicht  dieses  Verbot  keineswegs  einem  Unterbinden  der
Verkehrsader  zwischen  beiden  Stadttheilen  (anima  civitatis,
Sehern.),  da  in  wie  ausserhalb  derselben  fast  alles  zu  Transportirende
  auf  Tragthieren  fortgebracht  wird.
’  Im  Jahre  1861  hat  einer  derselben  Feuer  gefangen,  seitdem  wurden  die
Pulvervorräthe  der  Stadt  in  neugebauten  Thürmen  im  Bilopolje  nördlich
von  Mostar  aufbewahrt.
2  Nach  dem  amtlichen  Volkszählungs-Ausweis  Tab.  II  vom  15.  Juli  1819
existiren  im  Lande  nur  40  Pferde-  und  252  Ocbsenwagen.
            
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