492
Hoernes.
Um wenigstens innerhalb des von mir bereisten Landestheils
einen möglichst vollständigen Nachweis der Denkmäler
zu geben, nahm ich mir einen Zeugen, der alle Monumente
dieses Landestheils kannte und beschrieb, der mich in dieser
Richtung eben so sehr unterstützte, als ich viele seiner Angaben
nunmehr aufzuhellen glaube — nämlich den Verfasser
des Schematismus der Franciskaner-Ordensmission, P. Bakula. 1
Indem ich diese Quelle vollständig heranzog, erweiterte
sich mein Gebiet nördlich bis an die bosnische Grenze, und
so handeln denn die folgenden Blätter in ausführlicher Weise
nur von den Älterthümern der nordwestlichen Hercegovina
zwischen der Narenta, der bosnischen und der dalmatinischen
Grenze oder jenes Landestheils, der, fast ausschliesslich von
Katholiken bewohnt, die Diöcese des katholischen Bischofs von
Mostar, das apostolische Vicariat der Hercegovina bildet.
Nachdem der gedachte Schematismus, obwohl gedruckt,
ausser dem Lande so gut wie gar nicht verbreitet und nicht
besser bekannt ist, als die seltene Handschrift irgend eines
unedirten Werkes, nachdem ich ihn als verlässlichen Führer
durch den von mir bereisten Landestheil erprobt, nachdem ich
endlich hoffen darf, die Mängel seiner naiven Nachrichten
durch commentirende Worte und Abbildungen theilweise auszugleichen,
so dass auch die von mir nicht controlirten Angaben
1 Schematismus topographico historicus vicariatus Apostolici et custodiae
provincialis Franciscanico Missionariae in Hercegovina pro a. d. 1873,
Mostar 1873. Eine neuere Ausgabe liegt nicht vor. Die ältere pro a. d
1867 erschien Spalato 1867, ist besser gedruckt, im topographischhistorischen
Inhalt reichhaltiger und nur in den statistischen Angaben
veraltet. Diese Ausgabe liegt den flüchtig gearbeiteten und unvollständigen
Auszügen in Blau’s ,Keisen in Bosnien und der Hercegovina 1 ,
Berlin 1877, S. 198 ff., zu Grunde. (Die Auszüge sind von H. Kiepert
in Berlin gemacht und konnten nur als Wink zur Benützung der Originalquelle
dienen.) Der Verfasser des Schematismus, der sich am Schluss
der Vorrede bescheiden Compilator nennt, hat in Italien seine Bildung
empfangen, bekleidete in der Hercegovina die Pfarrämter von Grabovica,
Gradnici, Goriea und Ruzicii, bereiste zum Zweck obgenannter Arbeit
das ganze Missionsgebiet und starb 1873 zu Mostar als Träger vieler
geistlicher Würden. Seine übrigen neun, grösstentheils ordensgeschichtlichen
Schriften in slavischer, italienischer und lateinischer Sprache verzeichnet
der Schematismus p. 252 f.