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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Beiträge  zur  Geschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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Das  Judicium  des  Fabricius  wurde  durch  die  vom  Rector
niedergesetzte  Commission,  in  der  neben  dem  Decan  der  theologischen ­
  Facultät  der  ihr  auch  angehörige  Rector  und  ausserdem
zwei  Professoren  aus  dem  Jesuitenorden  sassen,  geprüft  und
mit  einem  gutheissenden  Schreiben  an  den  Kaiser  geschickt,
der  es  nach  Rom  gelangen  liess,  wo  ihm  in  der  von  uns  benützten ­
  Sammlung  der  erste  Platz  eingeräumt  wurde.
Wir  haben  damit  die  Reihe  der  eingelaufenen  Gutachten
erschöpft,  und  nur  ein  kurzer  Rückblick  auf  sie  möge  gestattet
sein.  Mit  dem  ,concorditer  consentire'  der  Fürsten  und  Universitäten ­
  der  Bulle  ,Inter  Gravissimas'  und  bei  Clavius  hat
es  wohl  seine  guten  Wege:  nur  auf  den  dem  heiligen  Vater
gegenüber  nöthigen  Höflichkeitsformeln  konnte  dieser  Ausdruck
fussen,  nicht  aber  auf  dem  thatsächlichen  Inhalte  der  Einläufe,
denn  nur  Eine  Universität  haben  wir  unbedingten  Beifall  spenden
sehen,  und  auch  Könige,  wie  die  von  Frankreich  und  Spanien,
stimmen  nur  bedingungsweise  zu.  Mannigfachar  Art  dagegen
sind  die  Einwendungen  und  ebenso  mannigfach  die  Wünsche,
welche  im  Gegensatz  zum  Entwurf  über  die  Reform  ausgesprochen ­
  wurden.  Viele  unter  ihnen  sind  sicherlich  ganz  kleinlicher ­
  Natur,  nur  dem  Bestreben  des  Kritikers  entsprungen,
neben  der  Negation,  zu  der  er,  sich  als  Beurtheiler  verpflichtet
fühlt,  auch  etwas  Positives,  sei  es  auch  noch  so  unbedeutend
und  verschroben,  vorzubringen.  Ueber  diese  konnte  die  Commission ­
  leichten  Herzens  zur  Tagesordnung  übergehen;  etwas
anders  aber  war  es  mit  denen,  welche  Gewohnheit  und  Ehrfurcht ­
  vor  dem  Althergebrachten  ins  Feld  führten,  namentlich
den  Vertheidigern  des  alten  Numerus  aureus.  Die  Commission
setzte  sich  über  sie  hinweg  und  konnte  sich  dabei  leicht  auf
frühere  Vorschläge  berufen;  aber  sie  hätte  dies  noch  viel  leichter
haben  können,  denn  die  Ehrfurcht  vor  dem  Numerus  aureus
hatte  lange  keine  so  festen  Wurzeln,  als  seine  Vertheidiger
und,  wie  es  scheint,  auch  die  Commission  ihm  zutrauten.  Zunächst ­
  war  die  Frage  rein  formell,  denn  wenn  man  unter  ,Numerus
aureus'  den  19jährigen  Mondcyclus  verstand,  so  wurde  dieser  ja
durch  den  Entwurf  kaum  berührt;  nach  wie  vor  blieb  die
Gleichung:  ,19  solare  Jahre  =  23f>  synodischen  Mondmonaten'
aufgestellt  und  bildete  die  Grundlage  des  neuen  Lunarkalenders.
            
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