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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Kaltenbrunner.

Damals  aber  wehte  in  Rom  eine  bessere  Luft,  und  wahrlich,
man  muss  es  Gregor  XIII.  und  seinen  Arbeitern,  vor  Allen
dem  frommen  Sirlet  zum  Verdienste  anrechnen,  dass  sie  sich
durch  diese  Drohungen  nicht  abschrecken  Hessen,  dass  sie  unbeirrt ­
  durch  die  ihnen  vorgestellten  Gefahren  das  Werk  unverdrossen ­
  zu  Ende  führten.
Wohlthuend  wirkt  aus  den  verdüsterten  Räumen  der  Sorbonne ­
  der  Gang  zum  Donaustrand,  wo  Rector  und  Senat  der
Universität  Wien  einhellig  mit  der  theologischen  Facultät  ein
ganz  anderes  Gutachten  approbirten,  das  wissenschaftlichen
Geist  und  Freude  an  Thaten  bekundet.  Ich  hatte  schon  früher  1
Gelegenheit,  die  Ansichten  darzulegen,  welche  der  mit  der  Begutachtung ­
  beauftragte  Professor  der  Mathematik,  Dr.  Paulus
Fabricius,  aussprach.  Er  will  das  cyclische  Wesen  weg  haben
und  dafür  die  astronomische  Rechnung  eingeführt  wissen  mit
Beruf  auf  den  herrlichen  Aufschwung,  den  die  Astronomie
jüngst  genommen,  auf  die  Erleichterung  des  literarischen  Verkehrs ­
  durch  die  Buchdruckerkunst,  die  das,  was  vor  ihr  schweidurchführbar
  war,  nun  leicht  bewerkstelligen  könnte.  Würde
man  —  meint  er  —  zur  Zeit  des  Nicaenischen  Concils  die
jetzigen  Kenntnisse  der  Astronomie  und  die  Buchdruckerkunst
gehabt  haben,  so  hätte  man  sicherlich  der  Kirche  ein  anderes
Jahr  gegeben;  da  man  also  damals  nur  aus  ungenügenden
Kenntnissen  den  Kalender  und  die  Osterfeier  nach  dem  Mondcyclus
  festgesetzt  habe,  so  stehe  nichts  im  Wege,  jetzt  die
nöthigen  Verbesserungen  einzuführen  und  die  alten,  unbeholfenen
Mittel  der  cyclischen  Rechnung,  welche  der  Wahrheit  Hohn
spreche,  bei  Seite  zu  werfen.  Fabricius  beruft  sich  auf  die
Autorität  der  vielen  gelehrten  Männer,  die  schon  vor  ihm
denselben  Gedanken  ausgesprochen  hätten,  und  beschwört
Gregor  XIII.,  er  möge  nicht  durch  abermalige  Festsetzung
der  cyclischen  Rechnung  die  so  schön  erblühte  Astronomie  in
ihrer  Entwicklung  hemmen.  Zur  Berechnung  der  nöthigen  Angaben ­
  für  den  astronomischen  Kalender  plaidirt  er  für  Errichtung ­
  von  Sternwarten  durch  den  Staat,  ähnlich  wie  sein  portugiesischer ­
  College  Hortensius.

Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform  a.  a.  0.  p.  491.
            
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