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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Kaltenbrunner.

ihm  Beifall  bei  seinen  Collegen  gefunden  hat,  ist  sehr  unwahrscheinlich, ­
  denn  offenbar  will  die  Universität  durch  den  schon  angeführten ­
  Satz  die  Einwendungen  des  Graminaeus  abschwächen,
und  für  den  einzigen  von  ihm  gemachten  positiven  Vorschlag
in  Bezug  auf  das  Sonnenjahr  hat  sie  nicht  Worte  der  Anerkennung ­
  oder  Empfehlung  gefunden,  sondern  führt  ihn  einfach
an  und  versichert  den  Papst,  dass  sie,  was  immer  er  befehlen
werde,  freudig  befolgen  wolle.
Die  Universität  Löwen  hatte  im  Jahre  1578  die  Professoren ­
  der  Medicin;  Petrus  Beausardus  und  Cornelius  Gemma,
sowie  ihren  Mathematiker  Adrianus  Celstius  mit  der  Begutachtung ­
  des  Compendiums  betraut.  Die  beiden  Ersteren  starben
aber  bald  darauf  und  der  Letztere  hatte  eine  schwere  Krankheit
durchzumachen,  so  dass  er  erst  am  12.  Februar  1579  seine
Arbeit  der  Universität  übergeben  konnte. 1  Er  kennt  die  Verdienste ­
  und  die  Kunstfertigkeit  des  Lilio  an,  aber  der  Epactencyclus
  sei  viel  zu  complicirt  und  nur  Fachmännern  fasslich,
überdies  sei  es  pietätlos,  den  so  lange  gebrauchten  Numerus
aureus  jetzt  aus  dem  Kalender  zu  verbannen.  Auch  findet
Celstius  die  ,Klage'  des  Papstes,  dass  das  allmälige  Anwachsen
des  Fehlers  im  Sonnenjahre  erst  nach  Ablauf  eines  Cyclus  von
400  Jahren  beseitigt  werden  könne,  begreiflich,  und  so  kam
er  nach  Erwägung  aller  dieser  Gebrechen  auf  den  Gedanken,
eine  neue  Art  der  Kalenderreform  auszusinnen,  und  mit  Gottes
Hilfe  ist  ihm  dies  so  gut  gelungen,  dass  nichts  Fertigeres  mehr
ausgedacht  werden  könnte,  denn  in  seinem  Kalenderentwurfe
sei  der  Numerus  aureus,  jedoch  bequem  und  den  neueren  astronomischen ­
  Anforderungen  entsprechend  accommodirt,  beibehalten,
und  der  Fehler  des  Sonnenjahres  werde  darin  schon  innerhalb
eines  Cyclus  von  sieben  Jahren  beseitigt.  Wie  Celstius  namentlich
das  Letztere  fertig  gebracht  hat,  können  wir  leider  nicht  angeben,'denn ­
  der  Kalenderentwurf,  welchen  er  sammt  dem  eben
benützten  Schreiben  der  Universität  einreichte,  scheint  nicht
nach  Rom  gelangt  zu  sein.  Sein  Brief  nämlich  und  der  Tractat
wurden  mit  einem  Begleitschreiben  des  Professors  und  Regens
bursae  Coronarum,  Petrus  Soffredus,  vom  29.  April  1579,  an  den
päpstlichen  Nuntius,  Erzbischof  Johann  Castaneus,  mit  der  Bitte

1  Brief  des  Celstius  im  Cod.  Vatic.  5645.  fol.  25.
            
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