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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Pfizmaier.

mit  Pfeilen.  Wo  auf  einer  Seite  der  Sieg  nicht  ist,  ergreift
das  ganze  Heer  die  Flucht.  Man  schickt  dann  Menschen,  welche
Entschuldigungen  Vorbringen,  worauf  man  sich  versöhnt  und
auseinander  geht.  Man  liest  die  in  dem  Kampfe  Gefallenen
auf,  sammelt  sie  in  Gemeinschaft  und  verzehrt  sie.  Dabei  trägt
man  die  Todtenköpfe  zu  dem  Wohnorte  des  Königs.  Dieser
beschenkt  die  Leute  mit  Mützen  und  heisst  sie  als  Vorderste
der  Abtheilung  auftreten.
Man  kennt  keine  Abgaben.  Wenn  es  Angelegenheiten
gibt,  nimmt  man  gleichmässig  Abgaben  von  den  Feldern.
Die  Verhängung  von  Strafen  ist  ebenfalls  keine  beständige
Regel.  Die  Gesetzkundigen  überblicken  die  Geschäfte,  prüfen
und  beurtheilen.  Bei  Uebertretungen  und  Verbrechen  wird
durch  den  Niao-liao-sö  ,vogelverständigen  Vordersten'  entschieden. ­
  Erfolgt  kein  Geständniss,  so  richtet  er  nach  oben
eine  Bitte  an  den  König.  Dieser  heisst  die  Diener  und  Untergebenen ­
  in  Gemeinschaft  berathen  und  es  bestimmen.
In  den  Gefängnissen  hat  man  keine  Halszwingen  und
Ketten.  Man  bedient  sich  blos  der  Stricke  und  Bande.  Wenn
man  bei  einem  Menschen  auf  Todesstrafe  entscheidet,  so  tödtet
man  ihn,  indem  man  ihm  mit  einem  eisernen  Bohrer,  welcher
so  dick  wie  ein  Essstab  und  über  einen  Schuh  lang  ist,  den
Scheitel  durchbohrt.  Bei  leichten  Verbrechen  macht  man  von
dem  Stocke  Gebrauch.
Man  hat  insgemein  keine  Schriftzeichen.  Man  blickt  auf
den  zunehmenden  und  abnehmenden  Mond  und  berechnet  so
die  Zeit.  Man  beobachtet  das  Verdorren  der  Pflanzen  und
bildet  so  die  Jahre.
Die  Menschen  haben  tiefliegende  Augen,  lange  Nasen  und
sind  ziemlich  von  der  Art  der  Menschen  von  Hu.  Sie  haben
ebenfalls  einen  kleinen  Verstand.  Es  gibt  bei  ihnen  nicht  die
Umschränkung  des  Gebieters  und  Dieners,  der  Höheren  und
Niederen,  nicht  die  Gebräuche  der  Verbeugung  und  der  Unterwürfigkeit. ­
  Vater  und  Sohn  schlafen  in  demselben  Bette.
Die  jungen  Männer  reissen  sich  Bart  und  Schläfenhaar
aus.  An  den  behaarten  Stellen  des  Leibes  entfernen  sie  das
Haar  ebenfalls.  Die  Frauen  ritzen  in  ihre  Hände  mit  Tinte
Zeichnungen  von  Insecten  und  Schlangen.
            
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