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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Ueber  die  Alexandreis  Ulrichs  von  Eschenbach.

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Zu  der  ganzen  Erzählung  hat  Ulrich  aus  der  Bibel  nur
einzelnes  aus  Esdra  benutzen  können,  vielleicht  hat  er  dazu
irgend  einen  Commentar  benützt,  manches  scheint  eigene  Phantasie ­
  (oder  Missverständniss),  wie  der  Herzog  Vagosus  und
sein  Steuereintreiber  Vectigal.  Doch  gerade  diese  Personen
sind  mit  grosser  Vorliebe  gezeichnet  und  Ulrich  hat  offenbar
Freude  daran,  dass  die  Juden  von  einem  Vagosus  so  geplagt
wurden.  Gegen  die  Juden  ist  er  überhaupt  nicht  freundlich
gesinnt,  und  er  nimmt  bei  den  biblischen  Erzählungen  mehrfach ­
  Gelegenheit  zu  erklären,  in  seiner  Zeit  seien  die  Juden
nicht  so  brav  und  gut,  besonders  ist  er  über  ihre  Pfandleihgeschäfte ­
  erbittert,  und  es  hat  fast  den  Anschein,  als  ob  er
seihst  in  dieser  Beziehung  Uebles  zu  dulden  gehabt  hätte.
Juden:  die  vervluochten  helleruden  ist  ein  oft  wiederkehrender
Reim  (4555.  7639  u.  ö.).
Bei  der  Erwähnung  des  Flusses  Phison  (23371)  sagt  Ulrich, ­
  dass  auch  in  der  heiligen  Schrift  dieser  Name  vorkomme.
Bass  Antiochus  den  Juden  viel  Böses  zufügte,  ist  nicht  unerwähnt ­
  geblieben  (27145—27149),  wofür  er  sich  auf  Machab.
beruft.  In  dem  einleitenden  Gebet  zum  X.  Buch  (21073  ff.)
ist  das  Gesicht  Daniels  von  den  vier  Thieren  (Dan.  VII)  ausgeführt. ­
  Zum  Schluss  wird  noch  zweimal  (27335  ff.,  27697  ff.)
erwähnt,  dass  Daniel  die  Ankunft  Alexanders  vorhergesagt  habe.

Wenn  wir  zurückblicken,  so  haben  wir  gefunden,  dass
Ulrich  vor  Allem  nach  Vollständigkeit  strebt,  wobei  er  ein
gewisses  Prunken  mit  Gelehrsamkeit  —  ohne  Grund  —
zeigt.  Er  vermag  keine  andere  Einheit  in  sein  Gedicht
hineinzubringen,  als  das  Nacheinander  der  einzelnen  Facta,
die  der  Held  erlebt  und  durchmacht.  Einzelne  Scenen  gelingen ­
  dem  Dichter  ganz  vortrefflich.  Er  sieht  ja  überhaupt
mehr  als  auf  das  Ganze  auf  die  Ausführung  im  Einzelnen,
wobei  er  vielfach  nach  Analogie  seiner  Zeitverhältnisse  oder
"ach  Analogie  einzelner  Scencn  in  den  Werken  Wolframs
dichtet.  In  Nichts  von  Alledem  ist  er  originell,  ja  er  vermeidet ­
  absichtlich  Alles,  was  nicht  schon  vor  ihm  in  deutscher
Bi  Zahlung  üblich  war.  Für  uns  ist  dadurch  das  Werk  von
            
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