Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Ueber  die  Alexandreis  Ulrichs  von  Esclienbacli.

387

ist  auch  die  Gestalt  des  Steines,  und  vor  allem  dass  dort  nur
ein  quidam  diesen  überreicht,  hier  Elias  und  Enoch.
In  orientalischer  Erzählung  ist  der  Geber  des  Steines
fast  immer  benannt.  ,Nisdmi  erzählt  nämlich,  dass  Iskender
bei  seiner  Rückkehr  aus  der  Finsternis  von  seinem  angeblichen
Suchen  nach  dem  Wasser  des  Lebens  von  Serosch  einen  Stein
erhalten  habe.  Dieser  Stein  sei  nach  seiner  Rückkehr  ans
Licht  so  schwer  geworden,  dass  man  ihn  mit  nichts  aufwägen
konnte,  bis  man  endlich  Staub  brachte,  der  mit  ihm  gleich
wog:'  Fr.  Spiegel,  die  Alexandersage  bei  den  Orientalen
(Leipzig  1851),  S.  62  ff.  Ausführlich  hat  darüber  gehandelt
Heinemannus  Vogelstein,  Adnotationes  quaedam  ex  litteris  orientalibus
  petitae  ad  fabulas,  quae  de  Alexandro  magno  circumferuntur
  (Vratislawiae  1865)  S.  12  ff.  Elias  soll  mit  Chidr  (Khisr)
zugleich  die  Quelle  des  Lebens  gefunden  haben  (Vogelstein  S.  17)
in  anderen  orientalischen  Fabeln  ist  Elias  ganz  an  die  Stelle  des
Chidr  getreten.  Ein  Henoch  kommt  bei  Lambert  li  Tors  vor,
dieser  hat  aber  mit  dem  biblischen  nur  den  Namen  gemein,  ist
sonst  eher  dem  Koch  Andreas  zu  vergleichen.  Im  Talmud  sind
die  Geber  des  Steines  nur  überhaupt  Bewohner  des  Paradieses.
Doch  wir  brauchen  ja  nicht  in  den  Orient  zu  gehen,  um
eine  Erklärung  dafür  zu  finden,  dass  bei  Ulrich  diese  bestimmten ­
  Persönlichkeiten  genannt  sind.  Man  braucht  nur  zu
bedenken,  dass  nach  allgemeiner  mittelalterlicher  Anschauung
Elias  und  Enoch  im  Paradiese  warten  bis  zum  jüngsten  Gericht
oder  bis  zur  Ankunft  des  Antikrists,  dem  sie  entgegentreten
werden  (Ulrich  24560  ff.),  vgl.  Muspilli  37  ff.  und  dazu  MSD 2
270.  Ja  man  dachte  sie  sich  gern  als  Pförtner  des  Paradieses,
vgl.  St.  Brandanus,  bei  Bruns,  rom.  und  andere  Gedichte  in
altplattdeutscher  Sprache  (Berlin  1798),  S.  159;  St.  Brandan
herausgegeben  von  C.  Schröder,  Erlangen  1877,  S.  62  und
dessen  Anmerkung  S.  106  f.  170,  und  etwa  noch  Godfried
von  Viterbo,  bei  Pistorius  Germ.  Script.  II,  58  ff.  So  konnte
also  bei  mündlicher  Ueberlieferung  leicht  die  bestimmte  Persönlichkeit ­
  des  Elias  und  seines  Genossen  an  die  Stelle  des  unbestimmten ­
  Gebers  treten  '.  Bei  der  mündlichen  Ueberlieferung
1  Zumal  in  Böhmen.  Denn  bei  den  Slaven  war  Elias  besonders  beliebt,  s
Gr.  Myth.  157  ff.  Zs.  f.  d.  A.  XII,  353.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.