370
Toischer.
seinen ,Prosaroman', 1 der den md. des Meister Babiloth weit
überflügelte an Verbreitung- und Beliebtheit, eine Hs. vor sich
gehabt, die der Bamberger sehr ähnlich war. Nur hat die
alte fabelhafte Geschichte im Laufe der Jahrhunderte einen
neuen Verfasser in der Person des heiligen Eusebius bekommen,
und fand, durch diese Autorität gestützt, wieder lauge Glauben.
Man möge diese Abschweifung entschuldigen, ich musste
die verschiedenen Bearbeitungen der Hdp., so weit sie mir
nur immer zugänglich waren, zur Vergleichung heranziehen,
weil jeder einzelne Text derselben so sehr zweifelhaft ist und
ich mich mit der ersten besten Fassung nicht zufrieden geben
wollte, etwa ,da offenbar auch' Ulrich von Eschenbach ,eine
kritische Ausgabe der Historia noch nicht vorlag'. Es kommt
ja gerade darauf an zu bestimmen, in welcher Gestalt ihm
dieser Proteus vorlag und wie viel er ihm verdankte. Die
obige Zusammenstellung beweist zugleich, dass die Fassung
der Hdp., wie sie die alten Drucke bieten, mit ihren Veränderungen
und Interpolationen für die Litteraturgeschichte von
grosser Bedeutung ist, wenn sie auch für die Frage nach dem
echten ursprünglichen Text so gut wie gar nicht in Betracht
kommt, wie dies Zacher längst gesehen und wiederholt ausgesprochen
hat (Psk. S. 110. Zs. f. d. Ph. X, 94. vgl. auch
Sitzungsberichte der Wienei- Akad. XCIII, 81).
In dem ersten Abschnitt des X. Buches (A, wie ich sie
oben S. 324 abgrenzte) hält sich Ulrich, so weit ich sehe, streng
an die Hdp. Es hat da beinahe den Anschein, als ob ihm dabei
eine gewisse Angst überkommen hätte vor der Fülle des
Stoffes, die er noch zu bearbeiten hatte in dem einen Buche.
Die Erzählung schreitet meist in kurzen Sätzen fort, er flicht
hie und da eine Bemerkung ein, aber sonst ist er für grosse
Strecken nur Uebersetzer. Vielfach wird zusammengezogen,
1 Ich benützte davon den zweiten Druck, Augspurg Anno lxxiij (1473),
Fol., 169 Blätter, auf der königlichen Bibliothek in Berlin. Wie er in
der Einleitung sagt, hat Albveclit lierzog in payren . . . und dessen gemahel
fraio Anna von praunschweick von ihrem undertan begert und gebotten
Das büch des grossen Allexanders ze teiitsch machen nach de waren text
Nicht hindan noch dar zu zu seczen des hab ich mich verwilligt. . . Doch
hat er dies nicht eingehalten, sondern gar oft kann er es nicht unterlassen,
seine abstruse Weisheit leuchten zu lassen und den waren text
damit aufzuputzen. Vgl. Gervinus II, 5 346.