Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Ueber  die  Alexandreiß  Ulrichs  von  Eschenbach.

361

bei  der  Zerstörung  von  Theben  aber  weiss  er,  dass  die  Herzogin
allein  verschont  blieb,  1  und  bei  der  Einnahme  von  Sudraca
lässt  er,  trotz  der  gegentheiligen  Versicherung  des  Gu.  (IX,  448),
alle  Frauen  mit  dem  Leben  davonkommen  (20706  ff.).  Ja
noch  mehr.  Diese  heidenin  können  sogar  selig  werden,  wie  er
wenigstens  von  der  Olympias  erwartet  (227  ff.):
ivie  sie  ein  heidnin  si  gewesen,
ich  hoffe  da$  sie  si  genesen
von  ir  triwe,  der  sie  was  riclie,
mit  Adam  im  himelriche  2
während  er  bei  all  den  Schlachten  nur  zu  melden  weiss,  dass
durch  die  Gefallenen  die  Hölle  erfreut  wurde  (5872.  7836):
ja  am  Tage  hei  Arbela  fielen  die  Seelen  so  dicht  in  die  Hölle
wie  Schneeflocken  und  Hagel  zur  Erde  (14101—14104).
Nun  hatte  für  einen  so  minniglichen  Sänger,  der  so  sehr
von  den  Vorzügen  der  Frauen  begeistert  ist,  die  Vorlage  einen
grossen  Fehler.  Im  Gedichte  des  Gu.  herrscht  durchaus
Mangel  an  Frauengestalten.  Handelnd  tritt  dort  nur  eine  Frau
auf,  die  Königin  der  Amazonen,  die  mit  einem  etwas  absonderlichen ­
  Verlangen  zu  Alexander  kommt, 3  allenfalls  noch  Sisygambis,
  die  Mutter  des  Darius,  die  als  Gefangene  bei  Alexander
durch  ihre  Fürbitte  Uxia  vor  der  Zerstörung  rettet  (VI,  115  ff.)
und  die  (namenlose)  Gattin  des  Darius,  die  durch  ihren  Tod
Veranlassung  zum  Bau  eines  prächtigen  Grabmales  gibt.

1  Sie  hatte  sich  während  der  Belagerung  in  Alexander  verliebt  und  dieser
verheirathet  sie  dann  mit  Joran.
2  Doch  vgl.  auch  4028  ff.:  mich  riuwet  noch  da%  werde  wtp  (Dulcamür)  .  .
da%  sie  dne  touf  vertarp.
3  Ulrich  hat  es  sich  nicht  entgehen  lassen,  diese  Scene  recht  pikant  auszuführen. ­
  Alexander  tritt  ihr  bei  der  Ankunft  entgegen,  um  sie  zu
empfangen.  Er  und  die  Seinen  verwundern  sich  über  diese  Gestalten,
doch  werden  sie  und  ihre  Rosse  in  guot  (jemach  gebracht.  Die  Königin
Thalestris  kommt  erst  nach  vielen  Höflichkeiten  mit  ihrem  Anliegen
heraus  (Gu.  VIII,  38  sagt  sie  sogleich  auf  die  erste  Frage  Se  venisse  .  .
nt  pleno  ventre  regressa  .  .  pariat  .  .),  Alexander  weigert  sich,  ihrem  Begehren ­
  nachzukommen,  seine  Lage  ist  freilich  auch  schlimm,  denn  kurz
vorher  hat  er  sich  mit  Roxa  vermählt  und  seiner  frouwe  Candacis  Treue
gelobt  (wovon  bei  Gu.  nichts),  willigt  aber  endlich  doch  ein.  Auch  der
Abschied  ist  noch  breit  ausgeführt  (17463—17612).
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.