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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Kalteu  brunner.

und  bringt  ausser  dem  schon  erwähnten  unbeholfenen  Wunsche
über  den  Lunarkalender  die  dem  Anwachsen  des  Fehlers  enk
sprechende  Sistirung  der  Schaltung  in  je  134  Jahren  in  Vorschlag* ­

Neben  Toscana  stellt  Oberitalien  ein  Contingent  von  vier
Gutachten.  Unter  ihnen  ragt  das  des  Veroneser !  Arztes  Josefas
Valdanius  1  insoferne  hervor,  als  dieser  in  durchaus  absprechender ­
  Weise  über  den  Reforinentwurf  urtheilt;  Er  ist  ein
Feind  des  cyclischen  Wesens  und  tadelt  daher  sowohl  die
Correctur  des  Sonnenjahres,  als  den  neuen  Lunarkalender.  Die
erstere  will  er  allerdings  für  jetzt  vorgenommen  wissen,  jedoch
durch  die  Auslassung  von  14  Tagen  im  Februar,  weil  dadurch
die  Reihe  der  Sonntagsbuchstaben  nicht  alterirt  würde;  aber
er  hält  die  Vertheilung  der  Ausschaltung  auf  die  centenaren
  Jahre,  weil  mit  den  thatsächlichen  Himmelsbewegungen
nicht  in  Einklang  stehend,  für  unannehmbar,  und  verzichtet  in
in  Hinblick  auf  die  ungleichmässige  (zuerst  von  Copernicus
behauptete)  Präcession  der  Jahr  punkto  überhaupt  auf  die  Möglichkeit, ­
  eine  richtige  cyclische  Ausschaltung  aufstellen  zu
können;  er  meint  daher,  man  solle  die  Modifieatiön  der  Julianischen ­
  Schaltregel  ganz  unterlassen  und  es  den  Nachkommen  anheimstellen, ­
  abermals  den  Fehler  zu  corrigiren,  sobald  derselbe ­
  wieder  zu  einer  bemerkenswerthen  und  sich  unangenehm
fühlbar  machenden  Höhe  angewachsen  sein  werde.  Von  demselben ­
  Gesichtspunkte  der  Undurchführbärkeit'  einer  absolut
richtigen  Reform  beurtheilt  er  auch  den  Epactencyclus,  wird
aber  hiebei  entschieden  ungerecht;  er  meint  nämlich,  Lilio
habe  die  Sache  nur  schlechter  gemacht,  indem  er  statt  des
alten,  wenigstens  sehr  leicht  zu  behandelnden  Cyclus  einen
neuen  construirt  habe,  dem  bei  den  gleich  grossen  Fehlern
noch  der  Nachtheil  der  sehr  schwierigen  Handhabung  anhafte.
Muss  auch  das  letztere  unbedingt  zugegeben  werden,  so  ist
aber  Valdanius  insoferne,  ungerecht,  als  er  übersieht,  dass  der
freilich  gleiche  Cyclus  im  neuen  Kalender  in  der  Lunar-Aequation
  ein  ständiges,  den  anwachsenden  Fehler  stets  wieder  zurückdämmendes
  Element  erhalten  sollte.  Wie  sich  aber  Valdanius
die  Correctur  des  Mondkalenders  gedacht  hat,  sagt  er  uns  nicht;

1  De  anni  restitutione  opinio.  Cod.  Vatic.  5645. 1  fol.  62*
            
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