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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Ueber  die  Alexandreis  Ulrichs  von  Eschenbacli.

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nichts  von  jener  Beschränkung,  von  jenem  einheitlichen  Aufbau ­
  des  Ganzen,  das  wir  bei  Gu.  fanden.  Im  Gegentheil.
Ulrich  fand  bei  dem  Gedichte  des  Gu.  nur,  dass  der  nicht
alles  erzählt  hat,  was  von  Alexander  überliefert  wird,  und  er
ist  nun  bestrebt,  das  mangelnde  zu  ergänzen.  Wo  er  nur  eine
Anekdote  über  Alexander  auftreiben  konnte,  die  hat  er  sicher
in  seinem  Gedichte  angebracht,  und  es  zeigt  sich  dabei  nur
die  Absicht,  eine  gewisse  Reihenfolge  einzuhalten,  in  der  die
einzelnen  Geschehnisse  auf  einander  gefolgt  sein  könnten. 1
Je  wunderbarer  eine  solche  Geschichte  ist,  um  so  besser  ist
sie,  denn  sie  dient  dann  besser  dem  Hauptzwecke  des  Ganzen:
zu  unterhalten.
Wenn  aber  das  Publicum  seiner  Zeit  einer  Geschichte
Beifall  spenden  sollte,  so  war  die  erste  Bedingung  die,  dass
das  Erzählte  auch  wahr  sei.  Man  war  aber  dabei  zufrieden,
wenn  sie  sich  nur  für  wahr  ausgab.  Bei  Ulrich  fehlt  das
Streben  nach  wahrheitsgetreuer  Darstellung  ganz  und  gar.  Er
geht  überall  auf  das  leichtsinnigste  über  seine  Quellen  hinaus,
aber  er  vergisst  nie  Gewährsmänner  anzuführen,  oder  wenigstens ­
  auf  das  maere,  die  äventiure  .  .  .  sich  zu  berufen.  Damit ­
  war  bei  seinem  unkritischen  Publicum  ein  jeder  Zweifel
an  der  Wahrheit  behoben,  und  so  wie  Ulrich  machten  es  ja
die  meisten  Dichter  seiner  Zeit.  Wir  werden  dein  Dichter
eine  lebhafte  Phantasie  auch  nur  zum  Vortheil  anrechnen.
Härter  müssen  wir  eine  andere  Eigenschaft  des  Gedichtes
beurtheilen,  die  trotzdem  für  die  damalige  Zeit  wenig  Anstoss
erregen  konnte.  Ulrich  war  nämlich  nicht  im  Stande,  seinen
ganzen  ungeheuren  Stoff  zu  übersehen  und  zu  beherrschen.
Eine  einzelne  Scene  weiss  er  lebensvoll  zu  gestalten,  aber  das
Einzelne  fesselt  ihn  so,  dass  sein  Blick  über  ein  beschränktes
1  Dies  beobachtet  er  bis  ins'  kleinste  Detail.  Ein  Beispiel  dafür  bietet
Gu.  VI,  161  ff.  =  Ulrich  15287  ff.  Gu.  erwähnt  zuerst  die  Eroberung
von  Persepolis  durch  Alexander,  dann  die  ungeheuere  Beute,  hierauf
einiges  aus  der  Vorgeschichte  der  Stadt  und  dann  erst:  die  Zerstörung
erfolgte  nicht  mit  Unrecht,  denn  Alexander  traf  da  die  verstümmelten
Gefangenen,  die  er  dann  nach  Möglichkeit  versorgen  will.  Ulrich  erzählt
zuerst  Ton  der  Vorgeschichte  der  Stadt,  hierauf  von  der  Ankunft  Alexanders, ­
  wobei  er  die  Gefangenen  sieht,  Eroberung,  Plünderung,  Zerstörung
der  Stadt  als  Rache  für  diese  Unglücklichen,  dann  erst  die  weitere  Versorgung ­
  derselben.
            
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