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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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T  o  i  s  c  h  o  r.

wie  diese,  oder  sie  wo  möglich  noch  übertreffen.  So  schon  in
der  Wahl  des  Stoffes:  Er  hebt  im  Prologus  zu  seinem  Gedichte ­
  hervor:  altitudinem  materiae,  quam  nullus  veterum  poetarum,
  teste  Servio,  ausus  fuit  aggredi  perscribendam.  Aus  dem
Studium  der  römischen  Epiker  ergab  sich  ihm  der  streng  einheitliche ­
  Bau  des  Gedichtes  mit  Beiseitelassung  alles  Unwesentlichen, ­
  Kleinlichen  oder  zu  weit  Abliegendeu.  Ja,  den
Grundgedanken  für  das  ganze  Gedicht  hat  ihm  einer  jener
unsterblichen  Alten  überliefert:  Lucan,  der  in  seiner  Phars.
X,  41  (neben  Anderem)  über  Alexander  sagt:  naturaque
solum  Hunc  potuit  finem  vesano  ponere  regt.  Gu.  stellt  darnach
Alexander  dar  als  den  Helden  und  König,  dem  es  vom  Schicksal ­
  bestimmt  ist,  sich  den  Erdkreis  dienstbar  zu  machen.  Der
ist  damit  nicht  zufrieden.  Die  Erde  ist  ihm  zu  klein  und  zu
eng.  Er  strebt  ins  Uebermenschliche  —  aber  wie  er  die
Grenzen  der  Natur  zu  überschreiten  sucht,  hat  diese  seinen
Untergang  schon  bereitet.  In  breit  epischer  Weise  schildert
Gu.  die  Heldenthaten  Alexanders  von  seinem  Knabenalter  bis
zur  Unterwerfung  Indiens.  Immer  Grösseres  und  Grösseres
hat  der  ,wunderliche'  Held  verübt,  aber  sein  Thatendurst  ist
nicht  befriedigt.  Er  will  noch  immer  weiter.  Da  steigt  die
Natura  zum  Styx  hernieder  und  ruft  den  Leviathan,  den  Vater
und  Rächer  der  Frevel,  zu  Hilfe;  dieser  sendet  aus  seinem
Reiche  die  Proditio  und  dadurch  findet  Alexander  seinen
Untergang.
Der  Dichter  hat  also  für  den  Schluss  seines  Epos  die
historische  Darstellung  des  Curtius  unbrauchbar  gefunden,  aber
er  hat  auch  alle  die  wunderbaren  und  unglaublichen  Abenteuer
verschmäht,  welche  Alexander  nach  der  Sage  in  oder  hinter
Indien  noch  bestanden,  er  hat  vielmehr  eine  jener  Allegorien
erfunden,  die  in  seiner  Zeit  beliebt  waren,  die  uns  aber  in  der
krausen  Vermengung  von  Heidenthum  und  Christenthum  wenig
ansprechen.
Gu.  ahmt  in  seiner  Beschreibung  der  Unterwelt  das
sechste  Buch  der  Aeneide  nach,  weiss  aber  Vorstellungen  der
christlichen  Hölle  damit  zu  vereinigen.  In  der  Schilderung
des  Leviathan  selbst  hat  er  viele  Züge  des  Cerberus  von
Vergil  verwendet,  während  das  ganze  Wesen  der  Proditio  aus
der  Alecto  (Aen.  VH,  327—374)  sich  erklärt:  vgl.  Josef
            
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