Beschreibung der isländischen Saga. I.
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Gegnerin Schmerz zu bereiten, ist hier weit deutlicher ausgedrückt,
als bei grausamen Handlungen der Männer. Auch
kommt es bei Männern als Hauptpersonen nicht vor, dass sie
aus Habsucht eine barbarische Grausamkeit gegen Frauen begehen,
wieFreydis. Kriegsgefangene Sclavinnen zu verkaufen, ist
etwas anderes. Hallgerdhr in Njala scheut sogar vor Diebstahl und
Brandlegung nicht zurück. Selbst Vemundr in Reykd. raubt nur.
Aber wie die Männer sind sie fähig, sich Freiheit des
Urtheils in allen Aufregungen der Leidenschaft zu bewahren.
Gudhrun in Laxd. C. 48, S. 218 reizt Bolli, ihren Mann, auf,
sich dem Zug ihrer Brüder gegen Kjartan, ihren früheren Geliebten,
anzuschliessen. Er will nicht und beruft sich auf seine
Verwandtschaft mit Kjartan und auf die Wohlthaten, welche
er von dessen Vater Olafr pa erhalten. Sie antwortet: ,Was
du da sagst, ist richtig, aber es wird dir nie gelingen, es
allen recht zu machen. Wenn du nicht mitziehst, ist unsere
Ehe geschieden.' Vgl. Helga in Vatnsd. S. 58, 7.
Die Liebe hat bei den Frauen mehr oder häufiger als bei
den Männern den Charakter einer über das Verlangen des Besitzes
hin ausgehenden Neigung; s. Helgas tiefe Trauer um Gunnlaugr,
Oddnys Hinsiechen nach dem Falle Björns. Die Neigung überdauert
den Tod des Geliebten, dessen Besitz ihnen im Leben
versagt geblieben war. — Von heftiger Liebesleidenschaft zeugen
am meisten die Worte Gudhruns zu Bolli nach Kjartans Ermordung
Laxd. C. 49, S. 224. Gudhrun zeigt zugleich mehrmalige
Wiederkehr lebhafter Neigung zu verschiedenen Männern :
Thordhr, Kjartan, Bolli, Thorkell.
Einfach gütigen, weichen, heiteren Naturen begegnet man
unter den Frauen noch seltener, als unter den Männern. Etwa
Hrefna, Laxd. C. 50, S. 229 f. Aber sie tritt wenig hervor.
Nur eine unbedeutende Nebenperson, Thordis in Ljosv. S. 14
drückt ihr Liebesgefühl in gehobenen Worten aus.
Ihr Verstand wird oft gerühmt. Sie sind mitunter klüger,
als die Männer, s. Rannveig in Njala C. 77, 84, Thorgerdhr in
Ljosv. S. 59, und unerreicht in der Fähigkeit etwas passendes,
den Gegner verletzendes zu erwidern. S. z. B. Bjarn. S. 68.
Schwächliche Eigenschaften, Leichtfertigkeit, Unentschlossenheit,
Dummheit, schlechte Wirtschaft, werden nur Nebenpersonen
zugeschrieben: Asgerdhr in Gisl. S. 15, Valgerdhr in
Sitzongsber. d. phil.-hist. CI. XCVII. Bd. I. Hft. 9