Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Beschreibung  der  isländischen  Saga.  I.

129

Gegnerin  Schmerz  zu  bereiten,  ist  hier  weit  deutlicher  ausgedrückt, ­
  als  bei  grausamen  Handlungen  der  Männer.  Auch
kommt  es  bei  Männern  als  Hauptpersonen  nicht  vor,  dass  sie
aus  Habsucht  eine  barbarische  Grausamkeit  gegen  Frauen  begehen, ­
  wieFreydis.  Kriegsgefangene  Sclavinnen  zu  verkaufen,  ist
etwas  anderes.  Hallgerdhr  in  Njala  scheut  sogar  vor  Diebstahl  und
Brandlegung  nicht  zurück.  Selbst  Vemundr  in  Reykd.  raubt  nur.
Aber  wie  die  Männer  sind  sie  fähig,  sich  Freiheit  des
Urtheils  in  allen  Aufregungen  der  Leidenschaft  zu  bewahren.
Gudhrun  in  Laxd.  C.  48,  S.  218  reizt  Bolli,  ihren  Mann,  auf,
sich  dem  Zug  ihrer  Brüder  gegen  Kjartan,  ihren  früheren  Geliebten, ­
  anzuschliessen.  Er  will  nicht  und  beruft  sich  auf  seine
Verwandtschaft  mit  Kjartan  und  auf  die  Wohlthaten,  welche
er  von  dessen  Vater  Olafr  pa  erhalten.  Sie  antwortet:  ,Was
du  da  sagst,  ist  richtig,  aber  es  wird  dir  nie  gelingen,  es
allen  recht  zu  machen.  Wenn  du  nicht  mitziehst,  ist  unsere
Ehe  geschieden.'  Vgl.  Helga  in  Vatnsd.  S.  58,  7.
Die  Liebe  hat  bei  den  Frauen  mehr  oder  häufiger  als  bei
den  Männern  den  Charakter  einer  über  das  Verlangen  des  Besitzes
hin  ausgehenden  Neigung;  s.  Helgas  tiefe  Trauer  um  Gunnlaugr,
Oddnys  Hinsiechen  nach  dem  Falle  Björns.  Die  Neigung  überdauert ­
  den  Tod  des  Geliebten,  dessen  Besitz  ihnen  im  Leben
versagt  geblieben  war.  —  Von  heftiger  Liebesleidenschaft  zeugen
am  meisten  die  Worte  Gudhruns  zu  Bolli  nach  Kjartans  Ermordung ­
  Laxd.  C.  49,  S.  224.  Gudhrun  zeigt  zugleich  mehrmalige ­
  Wiederkehr  lebhafter  Neigung  zu  verschiedenen  Männern  :
Thordhr,  Kjartan,  Bolli,  Thorkell.
Einfach  gütigen,  weichen,  heiteren  Naturen  begegnet  man
unter  den  Frauen  noch  seltener,  als  unter  den  Männern.  Etwa
Hrefna,  Laxd.  C.  50,  S.  229  f.  Aber  sie  tritt  wenig  hervor.
Nur  eine  unbedeutende  Nebenperson,  Thordis  in  Ljosv.  S.  14
drückt  ihr  Liebesgefühl  in  gehobenen  Worten  aus.
Ihr  Verstand  wird  oft  gerühmt.  Sie  sind  mitunter  klüger,
als  die  Männer,  s.  Rannveig  in  Njala  C.  77,  84,  Thorgerdhr  in
Ljosv.  S.  59,  und  unerreicht  in  der  Fähigkeit  etwas  passendes,
den  Gegner  verletzendes  zu  erwidern.  S.  z.  B.  Bjarn.  S.  68.
Schwächliche  Eigenschaften,  Leichtfertigkeit,  Unentschlossenheit, ­
  Dummheit,  schlechte  Wirtschaft,  werden  nur  Nebenpersonen ­
  zugeschrieben:  Asgerdhr  in  Gisl.  S.  15,  Valgerdhr  in
Sitzongsber.  d.  phil.-hist.  CI.  XCVII.  Bd.  I.  Hft.  9
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.