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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

Beschreibung  der  isländischen  Saga.  I.

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geistige  Freiheit  hindert  sie  nicht  an  der  nachdrücklichsten
Bethätigung  ihres  Willens,  selbst  wenn  sich  diese  nicht  nur
der  Billigkeit,  sondern  auch  einer  weiter  sehenden  Klugheit
entgegeustcllt.  Skarphedhinn,  der  Sohn  Njals,  hat  Höskuldr,
den  Sohn  Thrains,  welcher  Njall  adoptirt  hatte,  getödtet.  Njall
ist  tief  ergriffen  und  sagt,  er  hätte  lieber  zwei  Söhne  verloren.
Darauf  Skarphedinn,  der  Mörder:  ,Es  ist  begreiflich,  dass  dir
das  nahe  geht,  du  bist  ein  alter  Mann',  C.  111,  131.  —  So
kömmt  es  auch  öfters  vor,  dass  jemand  das  Missliche  eines
Vorschlages  oder  Planes  deutlich  einsioht  und  es  auch  ausspricht, ­
  aber  doch  darauf  eingeht.  Glunia  S.  378,  Thorarinn
sagt:  ,Das  ist  kein  guter  Rath,  aber  wir  werden  ihn  doch
befolgen*  (eigi  er  that  rddhligt,  eil  that  munu  ver  thö  gera).
S.  352  Arnorr  sagt:  ,Die  Lage  ist  schwierig;  wenn  wir  ruhig
bleiben,  ist  es  eine  Schande,  und  der  Erfolg  zweifelhaft,  wenn
wir  etwas  unternehmen.  Aber  ich  will  doch  meine  Leute  zusammenrufen* ­
  (eil  tliö  skal  mi  safna  ywnnum).
Die  Ausdrucksweise  dieser  Personen  ist  demnach  auch
alles  eher,  als  pathetisch,  meist  sehr  kühl  und  nüchtern,  selbst
im  Tode.  Atli  wird  von  Thorbjörn  mit  einer  auffallend  breiten
Lanze  erstochen  (Grettla  C.  45,  S.  102  f.).  Er  macht  dazu
nur  die  kaltblütige  Bemerkung:  ,Ja,  jetzt  sind  die  breiten  Eisen
modern*  (thau  tidkkast  hinu  hreidhu  spjotin).  Oder  Ljosv.  S.  61
Thorkell  ist  in  den  Leib  gestochen,  so  dass  ihm  die  Eingeweide
heraus  treten,  er  macht  sich  aber  doch  noch  über  Gudhmundr  lustig,
der  im  Getümmel  des  Kampfes  in  einen  Milchkübel  gefallen  war.
Leicht  wird  mit  dieser  Gesinnung  stolzes  Vertrauen  auf
die  eigene  Kraft  verbunden,  mit  Verachtung  des  Uebernatürlichen,
  Fiunb.  S.  39,  Korm.  C.  22,  8.  206,  C.  29,  S.  220,
Kjartan  in  Laxd.  C.  40,  S.  174,  —  auch  hoehmütliiges  Standesbewusstsein, ­
  so  bei  den  Goden  Snorri  (Eyrb.),  Vigaglumr,  Thorbjörn ­
  (Hav.),  Hrafnkell,  Arngrimr  (Iiaens.),  Thorsteinn.
Ganz  vereinzelt  aber  ist  es,  wenn  einer  Person  dieses  Typus,
der  Gewaltsamkeit  und  Berechnung  vereinigt,  Eigenschaften
der  Schwäche,  wie  Feigheit  und  Eitelkeit,  zugeschrieben  werden,
so  Gudhmundr  in  Ljosv.  S.  16.  20.
Die  rücksichtslose  Entschlossenheit,  mit  welcher  die  Personen ­
  dieser  Gruppe  äussere  Ziele,  Besitz,  Ehre,  Rache,  anstreben, ­
  schliesst  Regungen  verschiedener  Sympathien  nicht  aus.
            
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