Beschreibung der isländischen Saga. I.
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geistige Freiheit hindert sie nicht an der nachdrücklichsten
Bethätigung ihres Willens, selbst wenn sich diese nicht nur
der Billigkeit, sondern auch einer weiter sehenden Klugheit
entgegeustcllt. Skarphedhinn, der Sohn Njals, hat Höskuldr,
den Sohn Thrains, welcher Njall adoptirt hatte, getödtet. Njall
ist tief ergriffen und sagt, er hätte lieber zwei Söhne verloren.
Darauf Skarphedinn, der Mörder: ,Es ist begreiflich, dass dir
das nahe geht, du bist ein alter Mann', C. 111, 131. — So
kömmt es auch öfters vor, dass jemand das Missliche eines
Vorschlages oder Planes deutlich einsioht und es auch ausspricht,
aber doch darauf eingeht. Glunia S. 378, Thorarinn
sagt: ,Das ist kein guter Rath, aber wir werden ihn doch
befolgen* (eigi er that rddhligt, eil that munu ver thö gera).
S. 352 Arnorr sagt: ,Die Lage ist schwierig; wenn wir ruhig
bleiben, ist es eine Schande, und der Erfolg zweifelhaft, wenn
wir etwas unternehmen. Aber ich will doch meine Leute zusammenrufen*
(eil tliö skal mi safna ywnnum).
Die Ausdrucksweise dieser Personen ist demnach auch
alles eher, als pathetisch, meist sehr kühl und nüchtern, selbst
im Tode. Atli wird von Thorbjörn mit einer auffallend breiten
Lanze erstochen (Grettla C. 45, S. 102 f.). Er macht dazu
nur die kaltblütige Bemerkung: ,Ja, jetzt sind die breiten Eisen
modern* (thau tidkkast hinu hreidhu spjotin). Oder Ljosv. S. 61
Thorkell ist in den Leib gestochen, so dass ihm die Eingeweide
heraus treten, er macht sich aber doch noch über Gudhmundr lustig,
der im Getümmel des Kampfes in einen Milchkübel gefallen war.
Leicht wird mit dieser Gesinnung stolzes Vertrauen auf
die eigene Kraft verbunden, mit Verachtung des Uebernatürlichen,
Fiunb. S. 39, Korm. C. 22, 8. 206, C. 29, S. 220,
Kjartan in Laxd. C. 40, S. 174, — auch hoehmütliiges Standesbewusstsein,
so bei den Goden Snorri (Eyrb.), Vigaglumr, Thorbjörn
(Hav.), Hrafnkell, Arngrimr (Iiaens.), Thorsteinn.
Ganz vereinzelt aber ist es, wenn einer Person dieses Typus,
der Gewaltsamkeit und Berechnung vereinigt, Eigenschaften
der Schwäche, wie Feigheit und Eitelkeit, zugeschrieben werden,
so Gudhmundr in Ljosv. S. 16. 20.
Die rücksichtslose Entschlossenheit, mit welcher die Personen
dieser Gruppe äussere Ziele, Besitz, Ehre, Rache, anstreben,
schliesst Regungen verschiedener Sympathien nicht aus.