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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 97. Band, (Jahrgang 1880)

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Sauer.

Nachdem  im  Jahre  1766  die  Ausgabe  von  1761  ohne
Veränderungen,  mit  Verbesserung  mancher  alten  und  Hinzufügung ­
  einiger  neuen  Druckfehler  abgedruckt  worden  war,
erschien  1771  eine  dritte  Auflage,  welche  1782,  fälschlich  als
vierte  Auflage  bezeichnet,  unverändert  wieder  abgedruckt
wurde.  Inzwischen  nämlich  hatte  Ränder  1778  in  Grossoctav
mit  Verwendung  der  Kupfer  der  grossen  Ausgabe  von  1760'
aber  mit  lateinischen  Lettern,  eine  vierte  Auflage  ausgegeben,
die  auch  am  Titel  als  solche  bezeichnet  war.  Beide  Ausgaben,
die  von  1771  und  von  1778,  bringen  die  Gedichte  in  derselben
Anzahl  und  Reihenfolge,  wie*  die  früheren:  neu  eingefügt  ist
nur  1778  unter  den  prosaischen  Aufsätzen  ,die  Geschichte  aus
dem  Kriege';  dagegen  enthalten  beide  neue  Aenderungen
Ramlers  und  in  Bezug  auf  diese  stehen  sie  vollständig  parallel,
nur  dass  die  frühere  durch  die  spätere  noch  ergänzt  wird.
Was  Ränder  früher  noch  unangetastet  gelassen,  verfiel  jetzt
seiner  bessernden  Feile;  an  die  schon  mehrmals  durchgearbeiteten ­
  Gedichte  legt  er  vom  neuen  seine  kritischen  Grundsätze ­
  an;  hier,  wo  er  nicht  mehr  grosse  Tlieile  der  epischen
Gedichte  in  neuer  Form  bieten  wollte,  wendet  er  mehr  dem
einzelnen  seine  Aufmerksamkeit  zu;  die  Principien,  die  er  in  der
Vorrede  zu  seiner  ,Lyrischen  Blumenlese'  Leipzig  1778  S.  VI  f.
ausführlich  auseinandersetzt  und  begründet,  hat  er  auch  hier
angewendet:  ,Was  einen  geringen  Sprachfehler,  der  uns  oft  von
unsrer  Provinz  anklebt,  oder  eine  zu  harte  Wortfügung,  oder
einen  TJebelklang,  odereinen  unbestimmten,  weniger  natürlichen,
weniger  angemessenen  Ausdruck  oder  eine  gezwungene  Verbindung ­
  unter  den  Gedanken,  oder  einen  kleinen  Widerspruch
mit  einem  der  vorhergehenden  Gedanken,  oder  einen  zu  leeren
Vers,  oder  einen  solchen  betrifft,  den  allein  der  Reim  hervorgebracht ­
  hat,  so  weiss  man  wohl,  dass  dieses  das  Eigenthümliche
eines  guten  Dichters  gar  nicht  ausmacht,  sondern  blos  der  Eilfertigkeit ­
  zuzuschreiben  ist'.
Vielfach  sind  metrische  Gründe  Ursache  der  Aenderungen,
so  1771  in  dem  Gedichte  ,Der  Vorsatz',  wo  die  vierte  Zeile
einiger  Strophen  bei  Kleist  trochäischen  Gang  statt  des  sonst
eingehaltenen  iambischen  Rhythmus’  aufweist;  schon  Gleim  hatte
an  dieser  Nachlässigkeit  Anstoss  genommen  und  den  Freund
durch  Setzung  von  Länge-  und  Kürzezeichen  im  übersandten
            
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