Die Burgen und Schlösser Südarabions nach dem Iklil des Haradäni. II. 1011
neben Ma'in und Jatil in den Inschriften vorkommt 1 und die
von den griechischen Schriftstellern sogar für die Hauptstadt
des Minäerreiches gehalten wird, wahrscheinlich aus keinem
andern Grund als weil die Stadt später wegen ihrer Bedeutung
als Industriecentrum den Reisenden als die grösste und reichste
bezeichnet worden ist. Sie ist aber sicher die jüngste, wie
Ma'in die älteste ist; denn das Volk war unter dem Namen
Minäer bekannt, die Könige führten den Titel ,König von Ma'in
und Jatik, nie aber wird Qarnü in dem Titel der Könige angeführt.
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Prüfen wir nun die stattliche Anzahl von Inschriften und
Inschriftenfragmenten, die in Ma'in (Hai. 187—266), Baräqis
(Hai. 424—578) und Es-soud (Hai. 353—423) gesammelt worden
sind, so ergibt sich, dass dort eine grosse Dynastie Jahrhunderte
lang regiert hat. Bei dem unglücklichen Umstande, dass
in den minäischen Inschriften keine Datirungen nacli einer
bekannten Aera Vorkommen, bleibt wohl nichts übrig als durch
die Zahl der Könige ungefähr die Dauer ihrer Herrschaft, das
Alter der Inschriften und womöglich auch die Reihenfolge derselben
zu bestimmen. Bevor ich an die Aufzählung der Könige
gehe, möge mir gestattet sein zu bemerken, dass in Ma'in eine
directe Erbfolge vom Vater auf den Sohn üblich war, ferner,
dass der Vater schon bei Lebzeiten den Sohn als Mitregenten
annahm, wie dies auch im sabäischen Reiche zu gewissen Zeiten
Sitte war. Die minäischen Könige müssen in älterer Zeit den
Titel >| © £ ^ Mizwäd 3 ,Fürst' geführt haben, wie die sabäischen
1 ®h)$ 1 L ,)“1V ,die Stadt Qarnü* wird erwähnt Hai. 443. 520, 9. 535,
3(17). 536, 2. 541, 1; sämmtlich Inschriften von Baräqis.
2 Vor einiger Zeit theilte mir Herr Dr. Mordtmann brieflich die Vermuthung
mit, dass Qarnü der Name der uns heute als Ma'in bekannten
Burg sei und dass sich beide Namen zu einander verhalten, wie Marjab
und Saba’. Ich gestehe bei reiflicher Erwägung, dass ich dieser Hypothese
ebensoviel Berechtigung als der meinigen einräumen muss. Namentlich
spricht dafür der Umstand, dass in den Inschriften wohl | S)”1Y
n?)i IS? I h)"lV und ® L |) < H L |)~1Y5 nie aber hflr L ll L l) - |Y und
31H ° 31 I H )"1 Y vorkommt. Sollte sich Mordtmann’s Vermuthung als
richtig erweisen, so wird der alte Name von as-Saudä erst zu suchen sein.
haben mag; im Hebräischen heisst diese Wurzel stolz, übermüthig
sein. Vgl. I. Heft, S. 395, 7. jop .grösser sein*.
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