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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Uöber  die  grossen  Seuchen  des  Orients  nach  arabischen  Quellen.

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der  schlechten  Lüftung  der  Wohnhäuser  die  Luft,  in  welcher
die  Leute  leben,  im  hohen  Grade  verdorben  sein  muss.  Was
aber  die  Begrenzung  der  Krankheit  in  diesem  Districte  betrifft, ­
  so  mag  wohl,  ausser  dem  Mangel  der  Communicationen,
die  Erklärung  hieftir  darin  liegen,  dass  der  Temperatursunterschied ­
  zwischen  der  Gebirgsgegend  und  dom  benachbarten
Tiefland  ein  sehr  starker  ist.  Die  Seuche,  welche,  wie  schon
früher  bemerkt,  eine  hohe  Temperatur  nicht  verträgt,  ward
hiedurch  von  selbst  unterdrückt.  Es  ist  in  der  That  nicht
leicht  ein  grösserer  Temperaturunterschied  denkbar,  als  der
zwischen  dem  Tieflande  an  der  Küste  und  dem  Hochgebirge.
Wie  ich  auch  aus  einer  amtlichen  Mittheilung  entnehme,
haben  die  Assyrbewohner  mit  der  Seeküste  fast  gar  keinen
Verkehr,  sondern  die  einzige  Berührung  mit  der  Fremde  iindet
für  sie  durch  die  Pilgerfahrt  nach  Mekka  statt,  wohin  sie  in
Karawanen  auf  dem  Landwege  sich  begeben.  Die  lange  Wegesstrecke ­
  durch  die  Wüste  wirkte  offenbar,  ganz  abgesehen  von
dem  Einflüsse  der  heissen  Temperatur,  als  Quarantäne  und
verhinderte  die  Uebertragung  der  Pest  nach  Mekka.
Wir  haben  also  hier  in  dem  Assyrgebiete  einen  neuen,
bisher  gänzlich  unbekannten  Pestheerd  vor  uns,  wo  die  spontane ­
  Entstehung  der  Seuche  sich  beobachten  lässt.  Dass  aber
dieser  Pestheerd  nicht  etwa  neu  ist,  sondern  vermuthlich  schon
seit  Jahrhunderten  besteht,  scheint  nicht  unwahrscheinlich,  wenn
man  die  Nachricht  in  Erwägung  zieht,  welche  ich  im  zweiten
Abschnitte  dieser  Abhandlung,  nach  einem  sehr  verlässigen
arabischen  Schriftsteller,  über  die  grosse  Epidemie  mittheile,
die  im  Jahre  552  H.  (1157)  in  dem  Grenzgebiete  zwischen  Higäz
und  Jemen  herrschte.  Wir  haben  es  hier  höchst  wahrscheinlich
mit  einem  Ausbruche  der  Pest  im  Assyrgebiete  zu  thun,  welcher
sich  etwas  weiter  ausdehnte  als  gewöhnlich  und  hiedurch  die
Aufmerksamkeit  erregte.
Wie  dem  immer  sei,  eine  wissenschaftliche  Durchforschung
des  Assyrgebictes  vom  klimatologischen  und  sanitären  Standpunkte ­
  wäre  im  hohen  Grade  wünschenswerth  und  dürfte  vermuthlich ­
  unsere  Kenntnisse  über  die  Natur  und  die  Entstehungsgeschichte ­
  der  Pest  wesentlich  bereichern.
Wir  wenden  uns  jetzt  zur  Betrachtung  einer  anderen
Seite  der  Pest,  nämlich  des  Zusammenhanges,  der  zwischen
            
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