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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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K  r  e  m  e  r.

schwerden,  Schmerzen  im  ganzen  Körper  und  Petechien,  einer
Geschwulst  in  der  rechten  Leistengegend  und  Schlafsucht;  in
zwanzig  Tagen  genas  er  ohne  jede  Behandlung  und  ohne  dass
die  Eiterung  eingetreten  wäre.
Dr.  Nury  Effendy  inspicirte  wiederholt  die  sechs  schon
früher  genannten  Ortschaften  und  verzeichnete  die  Zahl  der
Todesfälle  und  der  Genesenen.  Erkrankt  waren  68  Männer,
45  Frauen,  50  Knaben  und  21  Mädchen,  zusammen  184,  auf
eine  Gesammtbevölkerung  von  800  Personen,  von  welchen  155
starben;  es  genasen  also  29,  wovon  6  Männer,  7  Frauen,
11  Knaben  und  5  Mädchen.
Nach  übereinstimmender  Aussage  klagten  anfangs  alle
Erkrankten  über  allgemeines  Uebelsein,  Schüttelfrost,  Kopfschmerzen, ­
  manchmal  brennenden  Durst,  Appetitlosigkeit,  Diarrhöen ­
  und  Ohnmächten,  Schmerzen  in  den  Leisten  und  anderswo
mit  oder  ohne  Bubonen,  es  zeigten  sich  manchmal  schwarze
und  rothe  Petechien,  Schlafsucht,  Delirium,  Bewusstlosigkeit
für  einige  Tage;  aber  alle  waren  ohne  Karbunkel.
Die  Eingebornen  kennen  diese  Krankheit,  die  sie:  tä'un,
d.  i.  Pest  nennen.
Halabe  oder  Kar  je  ist  ein  kleines  Dorf  in  der  Entfernung
von  fünf  Stunden  von  Namasse,  und  zählt  150  Einwohner,
die  Bauart  der  Häuser  ist  wie  in  Namasse.  Die  Krankheit
trat  plötzlich  auf  im  Hause  des  Sa'yd  Ibn  Karam,  wo  zwei
Frauen  unter  den  obigen  Symptomen  starben.  Dies  ereignete
sich  gegen  Ende  Februar  1879.  Die  Krankheit  sprang  von
einem  Hause  zum  andern  über,  von  150  Einwohnern  erkrankten ­
  35,  es  starben  8  Männer  und  6  Frauen.  Die  Krankheit ­
  dauerte  bis  Ende  Mai  1879  und  verschwand  dann  vollständig. ­
  Im  Districte  Beni  Sheir  herrschte  sie  von  Februar
bis  Juni  1879.
Man  sieht  aus  diesen  Nachrichten,  dass  also  im  Assyrdistricte
  sich  ein  Pestheerd  befindet,  der  nur  deshalb  für  die
Nachbarländer  nicht  gefährlich  werden  konnte,  weil  dieser
Gebirgscanton,  durch  den  keine  Handelsstrasse  führt,  von  der
übrigen  Welt  ganz  abgeschieden  'ist.  Das,  was  von  dem
Schmutze  der  Behausungen  der  Bewohner  gesagt  ward,  mag
die  Entstehung  der  Krankheit  am  besten  erklären,  wozu  noch
zu  bemerken  kommt,  dass  in  Folge  des  rauhen  Klimas  und
            
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