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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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K  r  e  m  e  r.

Pestheerd  bereiste  und  über  seine  Wahrnehmungen  einen  umständlichen ­
  Bericht  verfasste,  der  in  den  Archiven  des  türkischen
Sanitätsamtes  in  Constantinopel  sich  belindet  und  in  den  mir
durch  freundschaftliche  Vermittlung  Einsicht  zu  nehmen  gestattet ­
  war.
Nury  Effendy  begab  sich  von  Konfoda,  der  arabischen
Seestadt,  sofort  ins  Innere  nach  dem  Distrikte,  wo  gerüchtsweise ­
  die  Pest  herrschen  sollte,  und  zwar  permanent  seit  der
Pest  vom  Jahre  1874.  Er  machte  seine  Reise  in  den  Monaten
August  und  September  des  letzten  Sommers  (1879).  Am  5.  August
reiste  er  nach  dem  Distrikte  des  Stammes  Beny  Shei'r  (Shehyr)
ab,  wo  eine  epidemische  Krankheit  geherrscht  haben  sollte.
Am  10.  August  traf  er  in  Namasse,  dem  Hauptort  des  Distriktes
der  Beny  Shei'r  ein,  der  noch  fünf  andere  Dörfer  enthält,  nämlich: ­
  Karijeh,  Beny-Bekir,  Quinän,  Mauled-Aly  und  Aly-Haya.
Namasse  liegt  auf  der  Bergkette,  die  sich  von  Täif  bis
San'ä  erstreckt.  Sie  steigt  zu  beträchtlicher  Höhe  empor.  Di - .  Nury
ritt  mit  einem  guten  Maulthier  fünf  Stunden  hinauf.  Beladene
Kameele  kommen  gar  nicht  hinauf,  und  in  Folge  dieser  Verkehrsschwierigkeiten ­
  findet  auch  keinerlei  Handel  und  Waarentransport
  statt.  Das  Klima  in  diesem  Gebirge  ist  kalt  und
feucht;  der  Boden  ist  fruchtbar,  es  fehlt  nicht  an  Quellen  mit
süssem,  klarem  Wasser;  stehende  Wässer  gibt  es  nicht.  Die
Eingebornen  leben  von  dem  Ertrage  ihrer  Felder.  Die  Wohnhäuser ­
  sind  aus  Stein,  eng  an  einander  gebaut,  sie  haben  ein
Erdgeschoss  und  ein  Stockwerk,  das  ein  bis  zwei  Zimmer  enthält ­
  mit  einer  oder  zwei  Oeffnungen,  die  dazu  dienen,  Luft  und
Licht  einzulassen.  Das  Erdgeschoss  wird  als  Stall  benützt,  und
da  der  Winter  in  diesem  Gebirge  sehr  rauh  ist,  so  dass  selbst
das  Wasser  gefriert,  leben  die  Bewohner  mit  ihrem  Vieh  in
einem  entsetzlichen  Schmutze. 1
Während  des  Aufenthaltes  Nury  Effendys  (im  August
1879)  zeigte  der  Thermometer  des  Morgens  12"  Reaumur,  Mittags ­
  16°  und  des  Abends  13°—14°.  Der  Distriktsvorstand
(Kaimakäm)  Scheich  Fällt,  ungefähr  50  Jahre  alt,  in  Namasse

1  Diese  Schilderung-  der  Wohnhäuser  stimmt  ganz  mit  jener  der  Bauernhäuser ­
  in  der  höheren  Gebirgszone  des  Himalaja.
            
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