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Krem er.
der aus aller Herren Ländern gemischten Bevölkerung kaum
als eine ägyptische Stadt betrachtet.
Die entscheidendste und gewichtigste Stimme ist aber
die des praktischen Arztes Enrico di Wolmar, 1 der nicht
weniger als vierzehn Jahre in Aegypten sich aufhielt und es
für Unwissenheit erklärte zu meinen, dass die Pest eine in
Aegypten einheimische Krankheit sei.
Mit diesen Zeugnissen stimmen in Vielem die Ergebnisse
meiner historischen Untersuchung überein, indem daraus zu
ersehen ist, dass die Pest keineswegs immer in Aegypten sich
entwickelte. Durch längere Zeiträume ist dieses Land ganz
pestfrei geblieben, plötzlich tritt die Seuche dann wieder auf,
nistet sich ein und richtet furchtbare Verheerungen an, um
dann wieder zu verschwinden.
Im ersten Jahrhundert der mohammedanischen Zeitrechnung
(622—719 n. Chr.) zeigt sie sich in Aegypten nur zweimal,
im zweiten Jahrhundert (719—816 n. Chr.) kein einziges
Mal, ebenso im dritten und vierten Jahrhundert (816—1010
n. Chr.). Erst vom fünften Jahrhundert (1010 — 1107 n. Chr.)
angefangen sucht die Pest Aegypten wieder heim, kehrt im
sechsten Jahrhundert (1107—1204 n. Chr.) wieder, nimmt dann
im siebenten Jahrhundert (1204—1301 n. Chr.) an Heftigkeit
zu, lässt im achten (1301—1398 n. Chr.) nicht merklich nach,
erscheint aber im neunten Jahrhundert (1398—1495 n. Chr.)
in immer kürzeren Zwischenräumen.
Wie Volney aus einer Vergleichung der Chronologie der
Seuchen zu dem Schlüsse kam, dass die Pest in Aegypten alle
fünf Jahre, in Constantinopel alle neun Jahre, in Syrien aber
alle fünfundzwanzig Jahre erscheine, ist schwer zu begreifen,
und Villamont’s Behauptung: die Pest trete in Kairo alle drei
Jahre auf, ist ebenso willkürlich, denn wenn auch in einem
gewissen Zeiträume dies ungefähr zuzutreffen scheint, so ist
diese Erscheinung doch keineswegs regelmässig und beständig.
Die im zweiten Theile dieser Abhandlung zusammengestellten
Thatsachen zeigen nämlich, dass die klimatischen
Verhältnisse durchaus nicht allein massgebend seien für das
1 Dr. E. di Wolmar: Abhandlung über die Pest, mit einem Vorwort von
C. W. Hufeland; Berlin, 1827.