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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

TJeber  die  grossen  Seuchen  des  Orients  nach  arabischen  Quellen.

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auch  selten,  mit  den  grossen  Ueberschwemmungen  ihren
Anfang  nehme.  Eine  weit  klarere  Auffassung  findet  sich  in
des  gelehrten  Erasmus  Francisci 1  Buch:  Der  Erdumgebende
Lufft-Kreiss,  p.  1197,  sowie  in  dem:  Eröffneten  Lusthauss  der
Ober-  und  Unterwelt,  p.  261.  Er  äussert  sich,  wie  folgt:  Man
hat  in  Acht  genommen,  dass  diese  Seuche  der  Pestilenz  in
Egypten  gar  selten  von  sich  selbsten  und  gleichsam  durch
reizende  Ursachen  ungeladen  komme,  es  sei  denn,  dass  der
Nilus  zu  hoch  steigt  und  die  Länder  zu  viel  unter  Wasser
setzet,  denn  alsdann  bleibe  er  hernachher  eine  lange  Weile
über  dem  Erdreich  stehen  und  verwandelt  gleichsam  das  Land
in  eine  stille,  sumpfic.hte  Meerpfütze,  so  manchmals  durch  die
südliche  Witterung  und  gewaltige  Sommerhitze  ein  Gestank
gewinnet,  oder  die  Luft  selbiger  Orten,  welche  sonsten  von
Natur  heiss  und  trocken  ist,  wird  durch  das  allzuhohe  Nilwasser ­
  gar  zu  sehr  angefeuchtet  und  hiermit  der  Pestilenz
Anlass  gegeben,  sonsten  hat  man  niemals  erfahren,  dass  diese
Seuche  in  Egypten  aus  einer  unmässig  hitzigen  Luft  entsprossen,
sondern  vielmehr,  dass  sie  dadurch  ausgelöscht  worden.  Sie
wird  aber  mehrentheils  aus  anderen  benachbarten  Ländern,
bevorab  aus  Griechenland,  Syrien  und  der  Barbarei  in  Egypten
übergebracht,  wie  wol  die  Ansteckung  aus  der  Barbarei  am
schrecklichsten  wüthet  und  weit  mehr  Menschen  wegfrisset,
weder  die  so  aus  andern  Ländern  den  Egyptiern  anklebet.
Hier  tritt  also  auch  schon  die  Ansicht  auf,  dass  Aegypten
durchaus  nicht  allein  der  Pestherd  sei,  sondern  die  Krankheit
auch  von  aussen  eingeschleppt  werden  könne.
Der  durch  langjährigen  Aufenthalt  in  der  Türkei  im
vorigen  Jahrhunderte  bekannte  Baron  Tott 2  behauptet  fest,
dass  die  Pest  in  Aegypten  nicht  zu  Hause  sei  und  nur  von
Constantinopel  oder  Alexandrien  (sic)  eingeschleppt  werde.
Vermuthlich  will  er  hiernit  nur  der  Ueberzeugung  Ausdruck
geben,  dass  die  Seuche  nicht  im  Binnenlande  von  Aegypten
ihren  Ursprung  habe,  wohl  aber  in  Alexandrien,  das  er  wegen
1  Er  starb  t694.
2  Baron  Francois  de  Tott,  geboren  1733,  gestorben  1793,  folgte  seinem
Vater  nach  Constantinopel,  1757,  blieb  dort  bis  1763,  ging  später  in  die
Krim,  kehrte  nach  Constantinopel  zurück,  1769;  seine  Memoires  sur  les
Tures  et  les  Tartares  erschienen  in  Amsterdam,  1784.
            
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