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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Centralasiatische  Studien.

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4.  Das  Wakhi  ist  die  Sprache  des  Landes  Wakhän  an
dem  Oberlaufe  des  Oxus  (Pangah).  ,Man  sagt/  lautet  eine  Bemerkung ­
  in  Shaw’s  Reise  nach  der  hohen  Tatarei,  ,dass  die
Sprache  von  Wakhän  sich  von  der  Sprache  von  Bädakhsän
und  von  Bokhära,  die  fast  rein  persisch  ist,  durch  die  Aufnahme ­
  vieler,  dem  Sanskrit  ähnlicher  Wörter  unterscheide;
sollte  dies  wahr  sein,  so  würde  das  Wakhi  ein  hohes  Interesse
gewinnen,  da  sie  ein  Rest  jener  Sprache  wäre,  welche  die
arische  Race  gesprochen  hat,  ehe  sie  Airyana-vaega  verliess,
und  wohl  selbst  noch,  ehe  sie  in  den  vedischen  und  in  den
zendischen  Zweig  sich  getheilt  hatte/  Wir  können  dieser  kühnen
Schlussfolgerung  nicht  vollends  beipflichten.  Dass  das  Wakhi
sich  vom  Neupersischen  gar  sehr  unterscheidet  und  einen  scharf
gesonderten  Dialekt  für  sich  bildet,  steht  fest;  dass  sich  manche
Wörter  darin  vorfinden,  die  dem  eranischen  Zweige  mangeln,
während  sie  in  dem  indischen  ausgiebig  vertreten  sind  (dahin
gehört  beispielsweise  w.  pi  ,trinken');  diese  Wahrnehmung
können  wir  bei  allen  indogermanischen  Sprachen  machen,  und
selbst  manche  eranische  Dialekte,  wie  das  Osetische  und  das
Pastö,  besitzen  Wörter,  die  dem  Baktrischen  fehlen  und  sich
nur  im  Indischen  nachweisen  lassen.  Dagegen  beweisen  die
Lautverhältnisse  des  Wakhi  unwiderleglich,  dass  wir  es  mit
einer  durchaus  eranischen  Sprache  und  nicht  mit  einem  Mittelding ­
  zwischen  Eranisch  und  Indisch  zu  thun  haben.  Abgesehen
von  dem  Wortschatz,  der  hie  und  da  manches  Eigenthümliche
bietet,  unterscheidet  sich  der  grammatische  Bau  dieser  Sprache
im  Wesen  durchaus  nicht  von  den  übrigen  modernen  Idiomen
Eran’s,  zumal  von  dem  Neupersischen:  dasselbe  Streben  nach
höchster  Vereinfachung  der  Formen,  nach  Beseitigung  aller
eomplicirten  Satzverhältnisse,  nach  Nivellirung  und  Uniformirung
hat  diesen  östlichen  Dialekt  ebenso  ergriffen,  wie  die  im  äussersten
  Westen  gesprochenen  Dialekte.  Wenn  wir  dem  Wakhi
die  richtige  Stellung  anweisen  wollen,  so  müssen  wir  sagen,  es
steht  ungefähr  auf  der  älteren  Stufe  des  Pahlawi,  entbehrt
jedoch  der  fremden  Elemente  und  hat  im  Wortschatz  manches
seltfene  Gut  aus  der  volksthümlichen  alteranischen  Epoche  bewahrt, ­
  Vieles  hinwieder,  was  die  ausgebildete  Literatursprache
der  Perser  annoch  besitzt,  eingebüsst.  Dass  dem  Wakhi  von
allem  Anfang  an  das  echte  Gepräge  eines  eranischen  Dialektes
            
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