Tomascliefc. Centralasiatisclie Studien.
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Centralasiatische Studien.
Von
Wilhelm Tomaschek,
Professor an der Universität zu Graz.
II.
Die Pamir-Dialekte.
Eine Lücke in der Kunde der (iranischen Sprachen war
bisher stark empfunden worden: sie betraf die Dialekte jener
Bewohner des nordöstlichen Eran, welche unter dem Namen
Galca zusammengefasst werden. Man konnte bisher die Frage
nicht entscheiden, ob die Galca’s in ihrer Sprechweise sich den
Tagik’s von Bokhara und Samarkand anreihen, welche ein ziemlich
reines Persisch reden — oder ob sie eigenthümlich geartete
Dialekte sprechen, die mit dem Persischen nur sehr entfernt
oder vielleicht auch gar nicht verwandt sind: war doch wiederholt
von Reisenden, welche sich der Pamir-Region genähert
hatten, die Kunde eingezogen worden, dass die Sprache der
Galca’s den Tagik’s des Zweistromlandes unverständlich sei;
keiner brachte jedoch genauere Nachrichten darüber, bis zu
welchem Grade diese Unverständlichkeit reiche. Jene Lücke
nun ist vor einiger Zeit zur Freude aller Sprachforscher und
Ethnologen ausgefüllt worden: der berühmte Reisende und
politische Agent R. Shaw, der Besucher der Metropole Yaqub-Khan’s,
hat die gelehrte Welt auch mit einem kurzen Abriss
des grammatischen Baues der im Pamir gesprochenen Galca-Dialekte,
des Wakhi, des Sari-qoli und des Sighni, überrascht
(,On the Ghalchah Languages', Journal of the Asiatic Society
of Bengal, vol. XLV, 1876,139—278; vol. XLVI, 1877, 97—126).
Das von Shaw gebotene Material, namentlich die beigegebenen
Wörterverzeichnisse, ist zwar nicht erschöpfend, aber doch ausreichend,
um daraus mit Sicherheit die Stellung dieser Dialekte