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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Die  handschriftliche  Ueberlieferung  des  Victor  von  Vita.

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der  Geschichtschreibung,  dass  man  annehmen  müsste,  der  citirte
Absatz  sei  von  Victor  eigens  bestellt  'worden,  um  als  passende
Einleitung  dienen  zu  können.  Zu  dem  allen  kommt  noch  ein
schwerwiegendes  sachliches  Bedenken.  Sind  die  ersten  drei
Paragraphen  ein  Citat  und  Victor  der  Angesprochene,  so  erscheint ­
  der  im  §.  2  genannte  Diadocus  als  dessen  Lehrer.  Nun
ist  nur  eine  Persönlichkeit  dieses  Namens  bekannt. 1  Ein
Bischof  Diadochos  von  Photike  in  Epirus  wird  nämlich  von
Photios  (cod.  201)  als  Verfasser  einer  asketischen  Schrift  genannt, ­
  welche  in  der  Uebersetzung  des  Franciscus  Turrianus
den  Titel  De  perfectione  spiritual)  führt.  Derselbe  wird  ausser
von  Photios  nur  von  dem  Mönche  Maximos  (in  siebenten  Jahrhundert ­
  unter  Heraklius)  citirt.  Ueber  die  Lebenszeit  dieses
Diadochos  wissen  wir  nichts.  Aber  selbst  angenommen,  derselbe ­
  habe  etwa  um  450  gelebt,  so  ist  es  doch,  wie  schon
Ruinart  z.  d.  St.  gezeigt  hat,  undenkbar,  dass  dieser  epirotische
Bischof  der  Lehrer  Victors  gewesen  sei.  Auch  die  Erwähnung
der  innumercibilia  catholici  dogmatis  monumenta  dictorum  passt
nicht,  da  von  dem  Epiroten  nur  ein  Werk,  und  zwar  ein
asketisches,  bekannt  ist.  Man  müsste  somit  annehraen,  Diadocus ­
  sei  wie  Victor  ein  afrikanischer  Bichof  gewesen.  Aber
ein  solcher  wird  nirgends  genannt,  was  im  höchsten  Grade
auffällt,  wenn  er,  wie  der  Prolog  mit  klaren  Worten  sagt,
die  katholische  Glaubenslehre  in  zahlreichen  Schriften  vertheidigt
  hatte.
Wenn  somit  das  einzige  Thatsäehliche,  welches  der  Prolog
enthält,  die  Erwähnung  eines  Bischofs  und  Dogmenschriftstellers
Diadochus,  sich  als  eine  offenbare  Fälschung  erweist,  wenn  der

]  Ein  anderer  Diadochos,  allerdings  sehr  zweifelhaften  Namens,  ist  bis  jetzt
ganz  unbeachtet  geblieben.  Im  Jahre  1694  veröffentlichte  Joh.  Rud.
Wetstenius  im  Anhänge  zu  mehreren  Werken  des  Origenes  aus  einem
Berner  codex  eine  Schrift  unter  dem  Titel:  toü  [raxaptou  Mecpzou  xou
AiocSdyou  zata  ’ApEtavwv  Aoyoc  (Origenis  Dialogus  contra  Marcionitas  etc.
quibus  accedit  b.  Marei  Diadochi  Sermo  contra  Arianos,  Basileae
MDCXCIV).  Danach  hiess  also  der  Verfasser  dieses  Sermo  entweder
Mctpxoc  6  A'.äooyoc  oder  Mapxop  6  AiaSo^ou  und  kaun  mit  dem  oben  genannten ­
  Diadochos  auf  keinen  Fall  identificirt  werden.  Erwähnt  wird
dieser  Markos  nirgends,  und  dass  er  zur  Blüthezeit  des  Arianismus  gelebt ­
  habe,  vermuthete  Ilenr.  Wetstenius  (in  der  Praef.)  nur  darum,  weil
sein  \6-[o$  mitten  unter  den  Werken  des  Athanasius  sich  fand.
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