Die handschriftliche Ueherliefernng des Yictor von Yita.
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einen zweiten Timotheus, einen zweiten Lukas. Ich aber 1
beuge mich deinem Geheisse und unternehme es, nur obenhin
und in Kürze die Begebenheiten in Afrika zur Zeit der wüthenden
arianischen Verfolgung zu schildern; wie ein Feldarbeiter
will ich mit müden Schultern das Gold aus verborgenen Grotten
Zusammentragen, das ungereinigte Metall aber ohne Säumen
dem Kunstverständigen zur Erprobung durch das Feuer übergeben,
damit er daraus gütige Münzen forme/
Ueber den Prolog äussert sich Ruinart (p. 181 Migne)
mit folgenden Worten: sed fatendum est praefcctionem lianc ita
uerborum ambagibus esse inuolutam., ut difficile sit uerum illius
auctoris sensurn assequi, quod in causa est, cur eam deprauatam
esse, uel ex scriptorum negligentia, uel ex alia quam ignoramus
causa, suspicemur. Ruinart gesteht also mit klaren Worten zu,
dass er den Sinn nicht verstanden habe, und deutet ausserdem
durch den Ausdruck illius (seil, pr.aefationis) anctorem seinen
Zweifel an der Autorschaft Victors an. Auch Ebert spricht
sich in gewissem Sinne für die Unechtheit wenigstens des
grössten Theiles des Prologes aus. Seine Worte sind (S. 436,
Anm. 1): ,Die schwülstige Vorrede aber ist, mag es sich mit ihr
verhalten wie es will, bis auf den letzten Satz: Ego namque etc.
das Werk eines Andern, ein Citat aus einem Briefe/ Damit
ist freilich nur gesagt, dass Victor, statt eine selbständige
Vorrede zu schreiben, es für bequemer gefunden habe, das an
ihn gerichtete Schreiben eines andern wortgetreu hinzusetzen
und seinerseits eine kurze Bemerkung daran zu knüpfen, nicht
aber, dass der Prolog als solcher unterschoben sei.
Zu einer anderen Ansicht ist Halm gekommen; er bemerkt
nämlich zu den Worten At uero uenerabilitas (§. 2):
Apparet ab auctore alterum induci se alloquentem, quae pars prologi
pertinet usqae ad §. 4. Er betrachtet also nur den mittleren
Absatz At uero — Pauli discipulum als Citat, während er den
Anfang und Schluss dem Victor zuschreibt.
Ich beschäftige mich zunächst mit der Halm’schen Hypothese.
Dieselbe erscheint mir durchaus unhaltbar, da sie enge
Zusammengehöriges aus einander reisst. Denn wer sollte ohne
1 namque. ist hier, wie häufig bei Victor, offenbar in dem Sinne von aulem
oder uero gesetzt.
Sitzungsber. d. phil.-Mst. CI. XCVI. Bd. III. Hft. 47