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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Petsclienig.

frontium  ualebit  euellere,  quod  in  nno  baptismate  artifex  trinitatis
  dignatus  est  titidare.  Soll  mit  artifex  trinitatis  Christus
gemeint  sein?  —  9  capulo  persequentis;  hier  erscheint  persequens
  substantivisch  gebraucht,  was  dem  Victor  ganz  fremd
ist.  —  15  die  Phrase  ut.  fertur  ,wie  es  heisst'  findet  sich  nie
bei  Victor,  sehr  häufig  dagegen  bei  Jordanis.
Ergibt  somit  das  sprachliche  Moment  durchaus  keine  Entscheidung ­
  zu  Gunsten  Victors,  so  wird  man,  wenn  man  die
ganze  Conception  der  Passio  ins  Auge  fasst,  noch  weniger  geneigt ­
  sein,  in  ihm  den  Verfasser  zu  erkennen.  Man  sojlte
doch  erwarten,  dass  etwa  nach  ein  paar  einleitenden  Worten
zum  Thema  übergegangen  werde.  Statt  dessen  bekommen
wir  eine  Einleitung,  die  mehr  als  ein  Drittheil  des  Ganzen
umfasst  und  nichts  weiter  ist  als  eine  phrasenhaft  aufgebauschte,
aber  inhaltsleere  Uebersicht  der  Verfolgung  unter  Hunirich.
Auch  in  der  eigentlichen  Erzählung  wird  sehr  wenig  Thatsächliches
  mitgetheilt.  1  Der  Verfasser  lässt  uns  über  das
Motiv  der  Gefangennahme  der  sieben  Mönche  ganz  im  Ungewissen, ­
  ja  wir  erfahren  nicht  einmal,  wie  ihr  Kloster  hiess,
sondern  hören  nur,  dass  sie  aus  dem  Territorium  von  Capsa
waren.  Der  Grund  ihrer  Verurtheilung  wird  nicht  angegeben;
höchstens  enthält  das  Bibelcitat  unus  dominus,  una  fides,  unum
baptisma  (8)  den  Hinweis,  dass  sie  sich  weigerten,  den  Arianismus ­
  anzunehmen.  Sonderbar  ist,  dass  Hunirich  durch  die
häufigen  Besuche,  welche  die  Sieben  vom  Volke  erhalten,  in
Wuth  geräth  (ein  ganz  legendenhafter  Zug!),  noch  sonderbarer, ­
  dass  damit  die  Hinrichtung  gleichsam  motivirt  wird.
Die  Reden,  welche  ihnen  in  den  Muud  gelegt  werden  (7,  11,
12),  kommen  über  gewöhnliche,  für  jeden  derartigen  Anlass
passende  Gemeinplätze  nicht  hinaus,  sie  sind  mit  einem  Worte
nicht  charakteristisch.  Es  ist  daher  schon  aus  diesen  Gründen
nicht  glaublich,  dass  ein  Zeitgenosse  oder  gar  der  Geschichtschreiber ­
  der  Verfolgung,  welcher,  wie  manche  Andeutungen
in  seinem  Werke  beweisen,  durch  eigene  Anschauung  von  den
Vorgängen  sich  überzeugte  oder  von  Mitbischöfen  unterrichten
1  In  Halma  Ausgabe  nimmt  die  Passio  den  Raum  von  108  Zeilen  ein;
davon  entfallen  auf  die  Einleitung  34,  auf  die  (fingirten)  Reden  25.
Somit  bleiben  für  die  Erzählung  ganze  49  Zeilen.
            
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