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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

668

Petschenig.

III.  Abschnitt.
Studien  zur  Kritik  des  Textes.
I.  Capitel.
Orthographische  Fragen. 1
In  diesem  Abschnitte  wird  hauptsächlich  zu  untersuchen
sein,  in  wie  weit  die  mitunter  eigentümlichen  Schreibungen,
an  denen  a  und  besonders  BVC  reich  sind,  Berücksichtigung
verdienen.  Dass  die  Classe  a,  wie  im  Allgemeinen  den  Text,
so  auch  die  ursprüngliche  Orthographie  treuer  bewahrt  hat,
beweist  schon  die  Schreibung  der  nomina  propria;  vgl.  oben
S.  649—650.  B  ist  natürlich  in  erster  Linie  von  Wichtigkeit.  So
hat  neben  diesem  Ms  I,  44  nur  L  Iucundo,  die  übrigen  Iocundo;
II,  31  hat  B  allein  lucustarum,  II,  16  allein  lucundum,  III,  19
allein  domni.  B  schreibt  ferner  consequent  urguere;  darin
stimmt  V  in  den  meisten,  CM  in  einigen  Fällen;  .die  Classe  ß
hingegen  hat  diese  Form  niemals.  Ebenso  finden  sich  iii  B
regelmässig  richtig  sollemnitas  prouincia  membrum,  in  den  übrigen
auch  sollempnitas  prouintia  menbrum.  Bonifatim  ist  nur  in  Mss
der  Classe  a,  namentlich  in  B,  immer  richtig  überliefert,  in  ß
überwiegt  Bonifacius.  —•  Wenn  somit  B  oder  die  ganze  Classe  a
Schreibungen  bietet,  welche  von  der  gangbaren  Orthographie
abweichen,  so  wird  man  zunächst  die  Frage  nach  der  Berechtigung ­
  derselben  aufzuwerfen  haben  und  sie  nicht  einfach  als
Schreibfehler  bei  Seite  schieben.  Zur  Richtschnur  dienen  hiebei: ­
  Scliuchardt,  der  Vocalismus  des  Vulgärlateins;  Möller,  titulorum
  Africanorum  orthographia,  Gryphiswaldiae  1875;  M.  Hoffmann,
  index  grammaticus  ad  Africae  prouinciarum  Tripolitanae
Byzacenae  proconsularis  titulos  latinos,  Argentorati  1878.  Zugleich ­
  wird  im  Auge  zu  behalten  sein,  dass  wir  ein  Werk  vor
uns  haben,  welches  auch  in  syntaktischer  Beziehung  durchaus
der  mittelaltexdichen  Latinität  nahe  steht.
•  O  =  alle  Mas.  (II)  —  von  Halm  aufgenommene  Schreibung.
            
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