Die handschriftliche TJeberlieferung des Victor von Vita.
663
III. Capitel.
Die Zusätze in ß.
An 53 Stellen bietet ß tlieils um ein Wort, theils um
ganze Wortreihen mehr als a. Dass diese Zusätze zum grossen
Theile auf Interpolation beruhen, hat schon Halm eingesehen;
er folgte in seiner Ausgabe an 22 Stellen a, an 31 dagegen ß.
Es ergaben sich ihm somit 22 Stellen, an denen ß durch Interpolation
erweitert, hingegen 31, an welchen a lückenhaft ist.
Dieses Verhältniss der beiden Handschriften-Classen muss
einigermassen auffallen, da, wie wir soeben gesehen haben,
a im Ganzen weder durch willkürliche Aenderungen, noch
durch fremde Zusätze entstellt ist. Es wird daher der Mühe
werth sein, das Verhältniss der beiden Classen in diesem
Punkte zu untersuchen. . Die Erörterung wird sich in zwei
Theile gliedern. In dem ersten werden die anerkannten
Einschiebsel in ß besprochen werden; die daraus gewonnenen
Gesichtspunkte wird der zweite Abschnitt für die Kritik der
Stellen verwerthen, an denen die Ueberlieferung in a. scheinbar
lückenhaft ist.
A.
Die Zusätze in ß lassen sich unschwer nach Kategorien
ordnen. In die erste fallen jene, welche zur Erzielung grösserer
Deutlichkeit oder zur Herstellung eines besseren Zusammenhanges
der Sätze eingeschaltet wurden. I, 16 ita se [huicj
tradiderat omnino labori . huic wurde mit Rücksicht auf das
soeben Erzählte hinzugefügt: ,Dieser Mühe (dem Besuche der
leidenden Gefangenen) hatte er sich unterzogen'. — I, 30 sed
etiam [tune] martyria quam plurima esse probantur: ,damals',
mit Verweisung auf §. 28—29, ganz unnöthig, — ebend. erant
tune serui cuiusdam Uuandali (fuit lautem] hie Uuandalus de
Ulis quos millenarios uocant). autem sollte der Satzverknüpfung
dienen. — I, 39 bietet a qui, se non posse tradere clamantibus,
ipsi. rapaci manu cuncta depopulahantur. ß überliefert quis enim
posset tradere clamantibus [sacerdotibus]. Das letzte Wort wurde
mit Beziehung auf das unmittelbar Vorhergehende eingefügt, wo
es heisst: mittit Proculum quendam . . . qui coartaret ad tradendum