Emerico Amari in seinem Verhältnis zu G. B. Vico.
59
obschon ein tiefer dringendes geistiges Erkennen in allem
Idealen, was sich in der menschlichen Daseinsordnung ausprägt,
in der gesammten höheren Daseins Wirklichkeit des
Menschen die lebendige Präsenz einer göttlichen Wirkungsmacht
erkennen wird. Der Grund der Opposition Vico’s gegen
Grotius liegt darin, dass in seinem Denken Recht, Sitte, Religion
ungeschieden ineinander liegen. Grotius bahnte die Abscheidung
der Rechtsidee von der moralischen und religiösen Idee
an, die englischen Moralisten des 17. und 18. Jahrhunderts die
Abscheidung der moralischen Idee von der religiösen: die Auseinanderscheidung
dieser drei Ideen lag im fortschreitenden Entwicklungsgänge
des philosophischen Denkens, welches fordert,
dass der Rechtsgedanke, das moralische und religiöse Bewusstsein
des Menschen, jedes aus seiner selbsteigenen Idee sich
begründe und erweise, während alle drei Ideen zufolge ihrer
innigen wechselseitigen Verschlingung zunächst in einer Idee,
welche keine andere als jene des Göttlichen sein kann, ihre
absolute Einheit haben. Das Auseinandertreten derselben wird
aber dadurch veranlasst, dass das Denken von der ahstract
metaphysischen und alethiologischen Betrachtungsweise sich auf
den Boden der lebendigen Erfahrungswirklichkeit stellt, die mit
dem Menschen als solchem in der Dreiheit seiner Beziehungen
nach Aussen, Innen und Oben gegeben ist. In der Auseinanderhaltung
dieser drei Beziehungen scheiden sich die ihnen entsprechenden
Gebiete des rechtlichen, moralischen und religiösen
Thuns und Lebens als drei selbstständige Sphären auseinander,
deren jede trotz ihrer wechselseitigen durchgängigen Beziehung
auf einander ihren selbstständigen Mittelpunkt hat, und eine
besondere Idee zum expliciten wissenschaftlichen Ausdrucke
bringt. Das gemeinsame Subject der drei besonderen Ideen
ist der Mensch, der in jeder derselben sich in eine andere
Ordnung hineingestellt sieht, die innere Verknüpfung und Einheit
derselben aber aus der Einheit seines lebendigen Selbst zu
verstehen hat. Dieses Verständniss bildet das Correlat der
metaphysisch-ätiologisch feststehenden Einheit aller drei Ideen
im Elemente des Göttlichen und constituirt die anthropologische
Verlebendigung und Vermittelung der in metaphysischer Abstractheit
erfassten Einheit derselben.