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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Verhältnis  zu  G.  B.  Vico.

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obschon  ein  tiefer  dringendes  geistiges  Erkennen  in  allem
Idealen,  was  sich  in  der  menschlichen  Daseinsordnung  ausprägt, ­
  in  der  gesammten  höheren  Daseins  Wirklichkeit  des
Menschen  die  lebendige  Präsenz  einer  göttlichen  Wirkungsmacht ­
  erkennen  wird.  Der  Grund  der  Opposition  Vico’s  gegen
Grotius  liegt  darin,  dass  in  seinem  Denken  Recht,  Sitte,  Religion
ungeschieden  ineinander  liegen.  Grotius  bahnte  die  Abscheidung ­
  der  Rechtsidee  von  der  moralischen  und  religiösen  Idee
an,  die  englischen  Moralisten  des  17.  und  18.  Jahrhunderts  die
Abscheidung  der  moralischen  Idee  von  der  religiösen:  die  Auseinanderscheidung ­
  dieser  drei  Ideen  lag  im  fortschreitenden  Entwicklungsgänge ­
  des  philosophischen  Denkens,  welches  fordert,
dass  der  Rechtsgedanke,  das  moralische  und  religiöse  Bewusstsein ­
  des  Menschen,  jedes  aus  seiner  selbsteigenen  Idee  sich
begründe  und  erweise,  während  alle  drei  Ideen  zufolge  ihrer
innigen  wechselseitigen  Verschlingung  zunächst  in  einer  Idee,
welche  keine  andere  als  jene  des  Göttlichen  sein  kann,  ihre
absolute  Einheit  haben.  Das  Auseinandertreten  derselben  wird
aber  dadurch  veranlasst,  dass  das  Denken  von  der  ahstract
metaphysischen  und  alethiologischen  Betrachtungsweise  sich  auf
den  Boden  der  lebendigen  Erfahrungswirklichkeit  stellt,  die  mit
dem  Menschen  als  solchem  in  der  Dreiheit  seiner  Beziehungen
nach  Aussen,  Innen  und  Oben  gegeben  ist.  In  der  Auseinanderhaltung ­
  dieser  drei  Beziehungen  scheiden  sich  die  ihnen  entsprechenden ­
  Gebiete  des  rechtlichen,  moralischen  und  religiösen
Thuns  und  Lebens  als  drei  selbstständige  Sphären  auseinander,
deren  jede  trotz  ihrer  wechselseitigen  durchgängigen  Beziehung
auf  einander  ihren  selbstständigen  Mittelpunkt  hat,  und  eine
besondere  Idee  zum  expliciten  wissenschaftlichen  Ausdrucke
bringt.  Das  gemeinsame  Subject  der  drei  besonderen  Ideen
ist  der  Mensch,  der  in  jeder  derselben  sich  in  eine  andere
Ordnung  hineingestellt  sieht,  die  innere  Verknüpfung  und  Einheit ­
  derselben  aber  aus  der  Einheit  seines  lebendigen  Selbst  zu
verstehen  hat.  Dieses  Verständniss  bildet  das  Correlat  der
metaphysisch-ätiologisch  feststehenden  Einheit  aller  drei  Ideen
im  Elemente  des  Göttlichen  und  constituirt  die  anthropologische
Verlebendigung  und  Vermittelung  der  in  metaphysischer  Abstractheit
  erfassten  Einheit  derselben.
            
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