Die handschriftliche Ueherlieferung des Victor von Vita.
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Wie die vorstehende Zusammenstellung zeigt, stimmt M
in auffallender Weise sowohl mit F 1 , d. h. mit den nicht
corrigirten, als mit F 2 , den durch Correctur entstandenen Lesarten
des Vindobonensis. Demnach kann man schliessen, dass
M von F abstammt. Da man M in das zwölfte Jahrhundert
setzt, fallen also die Correcturen in F in das zehnte bis zwölfte
Jahrhundert. Diesen Schluss bestätigt auch der Augenschein.
Bei der Mehrzahl derselben ist man im Zweifel, ob sie von
der Hand des Schreibers selbst oder von einer nahezu gleichzeitigen
herstammen; auch wo der Schriftcharakter verschieden
ist, erweist sich die Correctur als alt.
Nicht viel älter als M dürfte die Handschrift von Kremsmünster
sein, die man gleichfalls dem zwölften Jahrhundert
zuweist. Dass dieselbe nicht aus F geflossen sein könne,
liegt auf der Hand. Wäre sie nämlich im zwölften Jahrhundert
aus F abgeschrieben worden, so müsste sie in ähnlicher Weise
wie M mit F 2 stimmen; aus F 1 konnte sie aber nicht abgeschrieben
worden sein, da sie in diesem Falle den Schriftcharakter
des zehnten bis elften Jahrhunderts tragen würde.
Es bleibt daher nur folgende Alternative: entweder ist C aus
demselben Archetypus mit F geflossen, oder aus einer Abschrift
von F, welche mit dieser Handschrift fast gleichalterig war.
Da aber die letztere Annahme wegen der zahlreichen schon
von erster Hand herrührenden Correcturen in F, von denen
sich in C keine Spur findet, wenig wahrscheinlich ist, muss
dem Cremifanensis als selbständigem Vertreter jener Ueberlieferung,
aus der auch F stammt, neben dieser Handschrift
ein gewisser Werth beigelegt werden, während M nur von seinuntergeordneter
Bedeutung ist. M ist übrigens auch ziemlich
stark interpolirt, während C, wenigstens von erster Hand, von
willkürlichen Aenderungen und Zusätzen fast ganz frei ist.
5. Cod. Abrincensis 168 s. XII. Diese Handschrift
enthält neben Victor noch Jornandes, Gildas und Guilelmus
Apuliensis; vgl. catalogue general des bibliotheques des depart.
t. IV, p. 513. Der Text des Victor hat mehrere Lücken,
da zwei Blätter ganz, zwei andere zum Theil weggerissen sind.
Der Abrincensis gehört unzweifelhaft der IJandschriften-Classe a
an, ist aber doch von der anderen, in Frankreich in vielen
Exemplaren verbreiteten Classe nicht unberührt geblieben.