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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

ungeachtet  ihn  nebenbei  den  Sokrates  des  18.  Jahrhunderts
nennt,  1  so  charakterisirt  er  Vico  zum  mindesten  nicht  von
jener  Seite,  nach  welcher  dieser  in  seinem  selbsteigenen  Bewusstsein ­
  mit  Sokrates  sich  denkverwandt  fühlte.  Eine  objectiv
geschichtliche  Wahrheit  möchte  die  Parallelisirung  Vico’s  mit
Sokrates  insoweit  haben,  als  Vico  neuerdings,  wie  einstmals
Sokrates,  unter  Abwendung  von  kosmologischen  und  physikalischen ­
  Speculationen  den  Menschen  und  seine  Welt  zum  Gegenstände ­
  der  Betrachtung  machte,  nur  dass  er  ihn,  woran  Sokrates
seiner  Zeit  noch  nicht  denken  konnte,  specifisch  als  Geschichtswesen ­
  ins  Auge  fasste.  Mit  Aristoteles  hat  er  die  Betonung
des  Menschen  als  lüc'i  toXitowv  gemein;  wenn  er  in  der  geschichtlichen ­
  Darstellung  diesös  Wesenscharakters  des  Menschen  allenthalben ­
  nur  das  Gleichartige  aufsucht,  ja  die  Gleichartigkeit  der
Entwickelung  zum  geschichtlichen  Gesetze  macht,  so  findet  dies
seine  allgemeine  philosophische  Begründung  in  seiner  Entscheidung ­
  für  die  intelligiblen  Genera  Platons  im  Gegensätze  zu  den
Genera  Aristotelaea  oder  logischen  Generalitäten,  welchen  er
für  die  Erkenntniss  der  realen  Wirklichkeit  sehr  untergeordneten
Werth  beimisst. 2  Daraus  erklärt  sich,  wesshalb  er  trotz  der
Anerkennung,  welche  er  den  Aristotelischen  Büchern  über  die
Politik  zollt,  doch  dem  Zurückgehen  des  Ai'istoteles  vom  Artbegriff ­
  auf  den  Gattungsbegriff  der  Menschheit  keinen  Geschmack ­
  abzugewinnen  weiss,  und  die  auf  diesem  Wege  eruirten
und  fixirten  Unterschiede  in  der  socialen  Erscheinung  des  Men-,
  sehen  fallen  lässt.  Aristoteles  ist  ihm  eben  hierin  zu  sehr
Empirist.  Empirist  ist  übrigens  auch  Vico,  und  nur  sein  grundsätzliches ­
  Festhalten  am  Standpunkte  der  Erfahrung  schützt
ihn  gegen  das  Durchbrechen  pantheisirender  Anschauungen,
welche  durch  seine  metaphysischen  Grundansichten  sehr  nahe
gelegt  sind.  Die  Ausdeutung,  welche  er  den  platonischen
Ideen  gibt,  lässt  diese  nahezu  als  die  alleinzigen  Wirkungsmächte
erscheinen;  nur  dadurch,  dass  er  an  der  durch  Sokrates  angebahnten ­
  Induction  als  der  einzig  möglichen  Forschungsmethode ­
  festhält,  und  solcher  Art  Erfahrungswissen  und  Vernunftanschauung
  getrennt  auseinandei’hält,  entgeht  er  formell

1  Critica,  p.  274.
2  Siehe  oben  S.  35,  Anm.  1.
            
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