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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

gemeinmenschlichen  Entwickelung,  welcher  sich  alle  geschichtlich ­
  bekannten  Gestaltungen  der  politischen  Societät  als  integrirende
  Glieder  und  Momente  einzufügen  haben.  Die  geschichtliche ­
  Erfahrung  hat  für  ihn  nicht  jene  auf  sich  selber  stehende
Bedeutung,  wie  für  Aristoteles,  welcher  an  derselben  orientirt,
die  Theorie  des  relativ  besten  Staates  liefei'n  will;  sie  ist  ihm
die  Enthüllung  bestimmter  in  der  Auswickelung  des  menschlichen ­
  Zeitdaseins  sich  manifestirenden  Entwickelungsgesetze,
welchen  das  Menschheitsdasein  im  Ganzen  und  Einzelnen  unterworfen ­
  ist,  und  welche  demzufolge  allüberall  gleichmässig  sich
bewahrheiten  müssen.  Die  Einheit  des  menschlichen  Geschlechtes
ist  ihm  nicht  bloss,  wie  dem  Aristoteles  Gattungseinheit,  sondern
zugleich  auch  Arteinheit,  welche  Gleichförmigkeit  der  Entwickelung ­
  bei  allen  Völkern  involvirt,  und  weit  mehr  auf  Hervorhebung ­
  des  Gemeinsamen  in  den  staatlichen  Einrichtungen  der
Völker,  als  auf  die  charakteristischen  Unterschiede  und  Eigenthümlichkeiten
  derselben  hinlenkt.  Vico  möchte  sich  hierin,
soweit  es  sich  um  Anknüpfungspunkte  in  den  Lehren  der  Alten
handelt,  am  ehesten  mit  Cicero  berühren,  dessen  Aeusserungen
über  die  allen  Menschen  unter  einander  und  mit  Gott  gemeinsame ­
  Vernunft  als  Princip  der  socialen  Rechtsordnung  und
eines  menschheitlichen  Universalstaates  Vico’s  Gedächtnisse
sicher  tief  eingeprägt  waren. 1  Das  was  Cicero  die  im  Menschengeschlechte ­
  präsente  und  dem  Menschendasein  immanente
Vernunft  nennt,  ist  identisch  mit  der  im  Menschheitsleben  durchbrechenden ­
  und  seine  Entwickelung  regelnden  Vis  veri,  von

1  Vgl.  Cic.  Legg.  I,  c.  7:  Est  igitur  (quoniam  nihil  est  ratione  melius  .  .  .)
prima  homini  cum  Deo  rationis  societas.  Inter  quos  autem  ratio,  inter
eosdem  etiam  recta  ratio  communis  ist.  Quae  cum  sit  lex,  lege  quoque
conciliati  homines  cum  Dis  putandi  sumus.  Inter  quos  porro  est  communio
  legis,  inter  eos  communio  juris  est.  Quibus  autem  haec  sunt
inter  eos  communia,  et  civitatis  ejusdem  habendi  sunt.  Si  vero  imperiis
et  potestatibus  parent  ii,  multo  etiam  magis.  Parent  autem  huic  coelesti
deseriptioni,  mentique  divinae  et  praepotenti  Deo;  ut  jam  universus  liic
mundus  una  civitas  communis  Deorum  atque  hominum  existumandus.  —
Eine  andere,  ähnlich  lautende  Stelle  in  Acad.  quaest.  I,  c.  5,  wird  von
Amari  (Critica,  p.  265)  reproducirt:  Hominem  esse  censebant  (Peripatetici)
  quasi  partem  quamdam  civitatis  et  universi  generis  humani,
eumque  esse  eonjunetum  cum  hominibus  humana  quadam  societate.
            
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