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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Verhältnis  zu  G.  B.  Vico.

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überwunden  zu  haben, 1  und  so  dürfte  es  nicht  allzugewagt  erscheinen, ­
  in  Vico’s  Kreislaufstheorie  eine  Verschmelzung  der
Anschauungen  Campanella’s  und  Machiavelli’s  zu  erkennen,
wozu  allerdings  das  Vorkommen  ähnlicher  Theorien  bei  den
Alten  als  verstärkendes  Moment  hinzugekommen  sein  dürfte.
Wie  hoch  indess  Plato’s  Einfluss  auf  Vico  veranschlagt  werden
möge,  er  würde  nicht  ausgereicht  haben,  Vico  zu  bewegen,
die  Kreislaufstheorie  als  festes  historisches  Gesetz  anzunehmen,
wenn  er  sich  nicht  durch  die  Auctorität  eines  geschulten  Politikers ­
  und  pragmatischen  Geschichtskenners  vom  Schlage  eines
Machiavelli,  der  ihm  als  Landsmann  nahestand  und  zeitlich
nahegerückt  war,  hiezu  sich  ermuthiget  gefühlt  hätte. 2
Amari  ist  bemüht,  nicht  bloss  die  Kreislaufstheorie  Vico’s,
sondern  gemeinhin  die  Grundideen  seines  geistigen  Unternehmens ­
  in  ihren  Keimen  und  Ansätzen  bei  den  Alten  nachzuweisen. ­
  Vico  sieht  die  Aufgabe  der  Gesetzgebung  in  der
Vermittlung  der  absoluten  Gerechtigkeit  mit  den  factisch  gegebenen ­
  Zuständen  der  menschlichen  Societät,  aus  welcher
Vermittlung  das  Bonum  civile  (l’ottimo  pratico,  wie  es  Amari
im  Gegensätze  zum  ottimo  assoluto  nennt)  resultirt.  Den  Alten
war  diese  Vermittelung  sehr  wohl  bekannt; 3  auf  die  6ecp.oi'  der
ältesten  strengen  Gesetzgeber,  welche  der  absoluten  Gerechtigkeit ­
  ihr  Recht  verschaffen  wollten,  folgten  die  vöjxoi,  auf  einen
Drakon  folgte  Solon,  welcher  erklärte,  dass  er  den  Atheniensern
nicht  die  absolut  besten,  sondern  die  relativ  besten,  ihren  Verhältnissen ­
  angepassten  Gesetze  gegeben  habe.  Die  Maassnahmen ­
  der  Opportunität  wurden,  bevor  sich  auf  Grund  der
vergleichenden  Gesetzeskunde  eine  scientische  Doctrin  derselben ­
  bildete,  auf  empirischen  Wege  erlernt.  Solche  Empiriker

1  Vgl.  unsere  Schrift  über  Vico,  S.  298.
2  Im  Grunde  spricht  auch  Amari  mehr  von  einer  auffallenden  Denkverwandtschaft ­
  zwischen  Plato  und  Vico,  als  von  einem  unmittelbaren
Schöpfen  des  letzteren  aus  ersterem:  Se  la  tradizione  dell’  umano  imbestiamento
  la  trovammo  sino  nel  Crisna,  il  sistema  delle  tre  sette  dei
tempi  negli  Egizii,  e  1’  una  e  1’  altro  in  Platone,  non  era  senza  ragione
lo  Studio  posto  nel  cercare  le  vere  origini  della  Scienza  nuova,  e  nel
notare  1’  affinitä  che  stringe  il  greeo  Platone  al  Platone  italiano.  Critica,
p.  313.
3  Critica,  p.  123  ff.
            
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