Emerico Amari in seinem Verhältnis zu G. B. Vico.
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überwunden zu haben, 1 und so dürfte es nicht allzugewagt erscheinen,
in Vico’s Kreislaufstheorie eine Verschmelzung der
Anschauungen Campanella’s und Machiavelli’s zu erkennen,
wozu allerdings das Vorkommen ähnlicher Theorien bei den
Alten als verstärkendes Moment hinzugekommen sein dürfte.
Wie hoch indess Plato’s Einfluss auf Vico veranschlagt werden
möge, er würde nicht ausgereicht haben, Vico zu bewegen,
die Kreislaufstheorie als festes historisches Gesetz anzunehmen,
wenn er sich nicht durch die Auctorität eines geschulten Politikers
und pragmatischen Geschichtskenners vom Schlage eines
Machiavelli, der ihm als Landsmann nahestand und zeitlich
nahegerückt war, hiezu sich ermuthiget gefühlt hätte. 2
Amari ist bemüht, nicht bloss die Kreislaufstheorie Vico’s,
sondern gemeinhin die Grundideen seines geistigen Unternehmens
in ihren Keimen und Ansätzen bei den Alten nachzuweisen.
Vico sieht die Aufgabe der Gesetzgebung in der
Vermittlung der absoluten Gerechtigkeit mit den factisch gegebenen
Zuständen der menschlichen Societät, aus welcher
Vermittlung das Bonum civile (l’ottimo pratico, wie es Amari
im Gegensätze zum ottimo assoluto nennt) resultirt. Den Alten
war diese Vermittelung sehr wohl bekannt; 3 auf die 6ecp.oi' der
ältesten strengen Gesetzgeber, welche der absoluten Gerechtigkeit
ihr Recht verschaffen wollten, folgten die vöjxoi, auf einen
Drakon folgte Solon, welcher erklärte, dass er den Atheniensern
nicht die absolut besten, sondern die relativ besten, ihren Verhältnissen
angepassten Gesetze gegeben habe. Die Maassnahmen
der Opportunität wurden, bevor sich auf Grund der
vergleichenden Gesetzeskunde eine scientische Doctrin derselben
bildete, auf empirischen Wege erlernt. Solche Empiriker
1 Vgl. unsere Schrift über Vico, S. 298.
2 Im Grunde spricht auch Amari mehr von einer auffallenden Denkverwandtschaft
zwischen Plato und Vico, als von einem unmittelbaren
Schöpfen des letzteren aus ersterem: Se la tradizione dell’ umano imbestiamento
la trovammo sino nel Crisna, il sistema delle tre sette dei
tempi negli Egizii, e 1’ una e 1’ altro in Platone, non era senza ragione
lo Studio posto nel cercare le vere origini della Scienza nuova, e nel
notare 1’ affinitä che stringe il greeo Platone al Platone italiano. Critica,
p. 313.
3 Critica, p. 123 ff.