lieber ein Glossenwerk zum Dichter Sedulins.
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Kenntniss der grammatikalischen wie dichterischen Werke der
älteren wie gerade vorhergehenden Zeit, soweit sie erhalten
waren, voraus und es bedarf keiner grossen Mühe, um sich
in den Werken des Remigius von dieser Belesenheit zu überzeugen.
Remigius hat unter dem Titel Expositio oder Commentum
verschiedene biblische und profane Schriften, grammatische
hauptsächlich, wie wir sahen, erklärt: Werke die uns
in den Hss. zum Theil als anonyme Commentare überliefert
sind. Alle Umstände sprechen auch dafür, dass Remigius in
ähnlicher Weise sich mit der Erklärung der alten Dichter,
soweit sie damals noch gelesen wurden, beschäftigte, und wer
könnte es unglaublich finden, dass er auch die Werke des
christlichen Epikers Sedulius, der in der Karolinger- wie späteren
Zeit des Mittelalters ein solches Ansehen genoss, in den
Bereich seiner Studien, seiner Lehre und wissenschaftlichen
Thätigkeit gezogen hat? Dazu kommt nun schliesslich die
bestimmte Ueberlieferung, dass das Mittelalter unter, anderen
Werken analogem Titel einen Seduliuscommentar eines Remigius
kannte, unter welchem einfachen Namen, wie wir
sahen, jener berühmte Remigius von Auxerre wiederholt erwähnt
wird. Dass auch dieser Commentar des Remigius, wie
wir annehmen, seinen Weg nach Deutschland nahm, wird uns
bei der Berühmtheit des Verfassers, sowie bei der Beliebtheit
des commentirten Werkes nicht Wunder nehmen. Welch
günstige Umstände im Rheinlando, wohin uns die Geschichte
der handschriftlichen Ueberlieferung dieser Schrift geführt hat,
für eine solche Verbreitung im X. Jahrhundert wirkten, wurde
oben erörtert. Wir haben weiter aus der Geschichte der handschriftlichen
Ueberlieferung geschlossen, dass jener Commentar
zu Sedulius spätestens um das Ende des IX. Jahrhunderts abgefasst
worden sein müsse. Die Zeitbestimmung passt vortrefflich
zur Blüthezeit des Remigius von Auxerre, die wir ungefähr, nachdem
das Todesjahr desselben nicht bekannt ist, 1 in das letzte
Drittel des IX. Jahrhunderts verlegen. Ob er etwa als Lehrer an
der Rheimser oder Pariser Schule, oder vor- oder nachher diesen
Commentar angelegt hat, lässt sich natürlich nicht entscheiden.
1 Nach Haureau (Biogr. gen.) uers 908. Ueber den Todestag (2. Mai) vgl.
Pez, Thes. Anecd. nov.