Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

lieber  ein  Glossenwerk  zum  Dichter  Sedulins.

521

Kenntniss  der  grammatikalischen  wie  dichterischen  Werke  der
älteren  wie  gerade  vorhergehenden  Zeit,  soweit  sie  erhalten
waren,  voraus  und  es  bedarf  keiner  grossen  Mühe,  um  sich
in  den  Werken  des  Remigius  von  dieser  Belesenheit  zu  überzeugen. ­
  Remigius  hat  unter  dem  Titel  Expositio  oder  Commentum
  verschiedene  biblische  und  profane  Schriften,  grammatische ­
  hauptsächlich,  wie  wir  sahen,  erklärt:  Werke  die  uns
in  den  Hss.  zum  Theil  als  anonyme  Commentare  überliefert
sind.  Alle  Umstände  sprechen  auch  dafür,  dass  Remigius  in
ähnlicher  Weise  sich  mit  der  Erklärung  der  alten  Dichter,
soweit  sie  damals  noch  gelesen  wurden,  beschäftigte,  und  wer
könnte  es  unglaublich  finden,  dass  er  auch  die  Werke  des
christlichen  Epikers  Sedulius,  der  in  der  Karolinger-  wie  späteren ­
  Zeit  des  Mittelalters  ein  solches  Ansehen  genoss,  in  den
Bereich  seiner  Studien,  seiner  Lehre  und  wissenschaftlichen
Thätigkeit  gezogen  hat?  Dazu  kommt  nun  schliesslich  die
bestimmte  Ueberlieferung,  dass  das  Mittelalter  unter,  anderen
Werken  analogem  Titel  einen  Seduliuscommentar  eines  Remigius ­
  kannte,  unter  welchem  einfachen  Namen,  wie  wir
sahen,  jener  berühmte  Remigius  von  Auxerre  wiederholt  erwähnt ­
  wird.  Dass  auch  dieser  Commentar  des  Remigius,  wie
wir  annehmen,  seinen  Weg  nach  Deutschland  nahm,  wird  uns
bei  der  Berühmtheit  des  Verfassers,  sowie  bei  der  Beliebtheit
des  commentirten  Werkes  nicht  Wunder  nehmen.  Welch
günstige  Umstände  im  Rheinlando,  wohin  uns  die  Geschichte
der  handschriftlichen  Ueberlieferung  dieser  Schrift  geführt  hat,
für  eine  solche  Verbreitung  im  X.  Jahrhundert  wirkten,  wurde
oben  erörtert.  Wir  haben  weiter  aus  der  Geschichte  der  handschriftlichen ­
  Ueberlieferung  geschlossen,  dass  jener  Commentar
zu  Sedulius  spätestens  um  das  Ende  des  IX.  Jahrhunderts  abgefasst ­
  worden  sein  müsse.  Die  Zeitbestimmung  passt  vortrefflich
zur  Blüthezeit  des  Remigius  von  Auxerre,  die  wir  ungefähr,  nachdem ­
  das  Todesjahr  desselben  nicht  bekannt  ist, 1  in  das  letzte
Drittel  des  IX.  Jahrhunderts  verlegen.  Ob  er  etwa  als  Lehrer  an
der  Rheimser  oder  Pariser  Schule,  oder  vor-  oder  nachher  diesen
Commentar  angelegt  hat,  lässt  sich  natürlich  nicht  entscheiden.
1  Nach  Haureau  (Biogr.  gen.)  uers  908.  Ueber  den  Todestag  (2.  Mai)  vgl.
Pez,  Thes.  Anecd.  nov.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.