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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

Angelegenheiten  übernahm.  Diese  erweist  sich  aber  als  unzureichend ­
  ;  die  Menschheit  versinkt  in  stets  schlimmere  Zustände,
und  wäre  schliesslich  dem  völligen  Untergange  preisgegeben,
wenn  nicht  der  höchste  Gott  mit  ihr  Erbarmen  hätte,  und
schliesslich  das  unmittelbare  Regiment  der  Welt  wieder  an  sich
nähme,  um  sie  in  den  Stand  ihrer  urspünglichen  Vollkommenheit ­
  zurückzuführen.  Alles,  was  die  menschlichen  Zustände
der  gegenwärtigen  Weltzeit  charakterisirt,  Sorge,  Arbeit,  Mühe,
Erfindung  der  Handwerke  und  Künste,  welche  im  goldenen
Zeitalter  völlig  überflüssig  waren,  stammt  daher,  dass  die
Menschen  von  der  Providenz  sich  selber  überlassen,  auf  ihr
selbsteigenes  Können  angewiesen  blieben;  und  so  erscheint  —
fügt  Amari  bei  —  die  Selbstherrschaft  des  menschlichen  Intellectes
  als  die  Signatur  des  Verfalles,  eine  Anschauungsweise,
die  dem  an  einen  continuirlichen  Fortschritt  der  Menschheit
Glaubenden  als  eine  befremdliche  Verkehrtheit  erscheinen  müsse.
Amari’s  Dafürhalten,  dass  Vico’s  Kreislaufstheorie  ausschliesslich ­
  oder  doch  vornehmlich  aus  Plato  geschöpft  sein
müsse,  unterliegt  nicht  unerheblichen  Bedenken,  zu  welchen
er  selbst  den  Stoff  liefert  durch  seine  Nachweisungen  ähnlicher ­
  Lehren  bei  verschiedenen  auf  Plato  folgenden  griechischen ­
  und  römischen  Schriftstellern, 1  deren  einige  Vico  sicher
genauer  kannte,  um  nicht  zu  reden  von  Machiavelli  und  Campanella,
  aus  deren  Schriften  Vico,  wie  schon  bemerkt,  erweislich ­
  manche  Anregung  schöpfte,  obschon  er  Campanella  niemals ­
  nennt,  gegen  Machiavelli  aber  rein  polemisch  verfährt.
Wenn  Vico  Campanella’s  Primalitates  als  metaphysisch-theologische ­
  Unterlage  seines  selbsteigenen  Denksystems  zu  adoptiren
  sich  veranlasst  fand,  so  dürfte  er  wohl  auch  von  Campanella’s ­
  astronomisch-kosmologischerFundirung  der  Weltgeschichte
Kenntniss  genommen  haben,  obschon  ihm  zufolge  seiner  juridischpolitischen ­
  Betrachtungsweise  die  Berücksichtigung  Machiavelli’s
noch  näher  lag.  Campanella’s  Lehre  von  der  Kreislaufbewegung
der  Menschheitsgeschichte  weist  auf  den  an  Roger  Baco  sich
anlehnenden  mittelalterlichen  Astrologismus  des  Pierre  d’Ailly
zurück;  indess  auch  Vico  scheint  den  mittelalterlichen  Geocentrismus,
  auf  welchen  jener  Astrologismus  ruht,  geistig  nicht

1  Critica,  p.  305  f.
            
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