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Ueber ein Glossenwerk zum Dichter Sedulius.
Grammatiker; diesen überhaupt sollte der Dienst dieser Kunst
in erster Linie gelten. Dies ersehen wir beispielsweise aus den
Schriften Cassiodor’s, Beda’s, Alcuin’s, Hraban’s u. A., ersehen
es aus den Erlässen Karls des Grossen, wenn er die Bischöfe
und Klostervorsteher zum Studium der Literatur auffordert: ut
facilius et rectius divinarum scripturarum mysteria ualeant penetrare
(Encycl. de litteris colendis cf. Pertz, MG. Leg. I, p. 52);
Zeugniss dafür sind auch die Worte eines Grammatikers aus
dem IX. Jahrhundert, der einen grammatischen Tractat an
einen Freund schickt mit dem Begleitschreiben (vgl. Thurot,
Notices et extraits des manuscrits t. XXII, p. 61 f.): His
onmibus perspectis et intellectis, eo liquidius potueris sacras
perscrutari paginas, quia peritia grammaticae artis in saerosancto
scrutinio lahorautihus ad suhtiliorem intellectum, qui
frequenter in Sacris Scripturis inseritur, ualde utilis esse dinoscitur,
eo quod lector liuius expers artis in multis Scripturarum
locis usurpare sibi illa quae non habet, et ignotus sihi ipsi esse
comprobatur.
Neben den biblischen Schriften waren es noch die christlichen
Poeten, die die mittel lateinische Grammatik in den
Kreis ihrer literarischen Bethätigung zog. Wir entnehmen aus
den grammatisch-metrischen Schriften des Beda Venerabilis
hauptsächlich, wie neben den beliebten alten Dichtern ganz
besonders die christlichen Dichter Juvencus, Prudentius, Sedulius,
Paulinus, Prosper, Arator u. A. als Quellen für Beweisstellen
dienten. So müsste es denn befremden, wenn ein im
Mittelalter so beliebter und neben Virgil, den Profandichter,
als erster Vertreter 1 der christlichen Epik gestellter Dichter
wie Sedulius nicht in analoger Weise Gegenstand gelehrter
Interpretation in specieller Behandlung geworden wäre, davon
abgesehen, dass bereits bekannt ist, wie die IIss. vom IX. Jahrhundert
ab von zahlreichen Marginal- wie Interlinearglossen,
die unter einander eine grosse Verwandtschaft zeigen, übersäet
sind. Seit geraumer Zeit hatte ich mein Augenmerk darauf
gerichtet, ob nicht sichere Indicien zu finden seien, die auf
das Vorhandensein eines besonderen Commentars zu den Gedichten
des Sedulius hinweisen. Da lesen wir nun im alten
1 Vgl. meine Schrift de Sedulii poetae vita et scriptis. Vind. 1878.