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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Ueber  ein  Glossenwerk  zum  Dichter  Sedulius.

Grammatiker;  diesen  überhaupt  sollte  der  Dienst  dieser  Kunst
in  erster  Linie  gelten.  Dies  ersehen  wir  beispielsweise  aus  den
Schriften  Cassiodor’s,  Beda’s,  Alcuin’s,  Hraban’s  u.  A.,  ersehen
es  aus  den  Erlässen  Karls  des  Grossen,  wenn  er  die  Bischöfe
und  Klostervorsteher  zum  Studium  der  Literatur  auffordert:  ut
facilius  et  rectius  divinarum  scripturarum  mysteria  ualeant  penetrare
  (Encycl.  de  litteris  colendis  cf.  Pertz,  MG.  Leg.  I,  p.  52);
Zeugniss  dafür  sind  auch  die  Worte  eines  Grammatikers  aus
dem  IX.  Jahrhundert,  der  einen  grammatischen  Tractat  an
einen  Freund  schickt  mit  dem  Begleitschreiben  (vgl.  Thurot,
Notices  et  extraits  des  manuscrits  t.  XXII,  p.  61  f.):  His
onmibus  perspectis  et  intellectis,  eo  liquidius  potueris  sacras
perscrutari  paginas,  quia  peritia  grammaticae  artis  in  saerosancto
  scrutinio  lahorautihus  ad  suhtiliorem  intellectum,  qui
frequenter  in  Sacris  Scripturis  inseritur,  ualde  utilis  esse  dinoscitur,
  eo  quod  lector  liuius  expers  artis  in  multis  Scripturarum
locis  usurpare  sibi  illa  quae  non  habet,  et  ignotus  sihi  ipsi  esse
comprobatur.
Neben  den  biblischen  Schriften  waren  es  noch  die  christlichen ­
  Poeten,  die  die  mittel  lateinische  Grammatik  in  den
Kreis  ihrer  literarischen  Bethätigung  zog.  Wir  entnehmen  aus
den  grammatisch-metrischen  Schriften  des  Beda  Venerabilis
hauptsächlich,  wie  neben  den  beliebten  alten  Dichtern  ganz
besonders  die  christlichen  Dichter  Juvencus,  Prudentius,  Sedulius,
  Paulinus,  Prosper,  Arator  u.  A.  als  Quellen  für  Beweisstellen ­
  dienten.  So  müsste  es  denn  befremden,  wenn  ein  im
Mittelalter  so  beliebter  und  neben  Virgil,  den  Profandichter,
als  erster  Vertreter 1  der  christlichen  Epik  gestellter  Dichter
wie  Sedulius  nicht  in  analoger  Weise  Gegenstand  gelehrter
Interpretation  in  specieller  Behandlung  geworden  wäre,  davon
abgesehen,  dass  bereits  bekannt  ist,  wie  die  IIss.  vom  IX.  Jahrhundert ­
  ab  von  zahlreichen  Marginal-  wie  Interlinearglossen,
die  unter  einander  eine  grosse  Verwandtschaft  zeigen,  übersäet
sind.  Seit  geraumer  Zeit  hatte  ich  mein  Augenmerk  darauf
gerichtet,  ob  nicht  sichere  Indicien  zu  finden  seien,  die  auf
das  Vorhandensein  eines  besonderen  Commentars  zu  den  Gedichten ­
  des  Sedulius  hinweisen.  Da  lesen  wir  nun  im  alten

1  Vgl.  meine  Schrift  de  Sedulii  poetae  vita  et  scriptis.  Vind.  1878.
            
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