Huemer. Ueber ein Glossenwerk zum Dichter Sedulius.
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Ueber ein Glossenwerk zum Dichter Sedulius.
Zugleich ein Beitrag zu den grammatischen Schriften des Remigius
von Auxerre.
Von
Dr. Joh. Huemer.
Oassiodor berichtet, dass der Gothenkönig Athalarich an
den römischen Senat betreffs der Besoldung der Lehrer der
freien Künste ein Schreiben gerichtet habe, worin er von der
Grammatik also sagt (Var. IX. ep. I): Prima enim grammaticorum
schola est fündamentum pulcherrimum litterarum, mater
gloriosa faeundiae, quae cogitare nouit-, ad laudein loqui sine
uitio .... Est grammaticci magistra uerborum, ornatrix huraani
generis, quae per exercitationem pulcherrimae lectionis antiquorum
nos cognoscitur iuuare consiliis. Mit diesen Worten
hat der Barbarenkönig die Stellung und Bedeutung der Grammatik
für das europäische Abendland inaugurirt, die dieselbe
bis in das späte Mittelalter eingenommen und behauptet hat.
Als der grosse Frankenkönig Karl in ungewöhnlichem Umfang
die classischen Studien wieder aufnahm, räumte auch er unter
den sieben Künsten der Grammatik als der ,Mutter aller Künste'
die erste Stellung ein, und der Grammatiker am Hofe Karls
Alcuin beginnt sein für die Schulen verfasstes Buch de orthographia
mit den Versen:
Me legat, antiquas uult qui proferre loquelas,
Me qui uon sequitur, uult sine lege loqui.
Und als in der Folgezeit die von Karl dem Grossen angefachte
Fackel der auf lebenden literarischen Bestrebungen wieder im
Erlöschen war, bestrebten sich noch die bedeutendsten Domwie
Klosterschulen die namhaftesten Lehrer der Grammatik
für ihre Lehrstühle zu gewinnen.
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