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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Huemer.  Ueber  ein  Glossenwerk  zum  Dichter  Sedulius.

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Ueber  ein  Glossenwerk  zum  Dichter  Sedulius.
Zugleich  ein  Beitrag  zu  den  grammatischen  Schriften  des  Remigius
von  Auxerre.
Von

Dr.  Joh.  Huemer.

Oassiodor  berichtet,  dass  der  Gothenkönig  Athalarich  an
den  römischen  Senat  betreffs  der  Besoldung  der  Lehrer  der
freien  Künste  ein  Schreiben  gerichtet  habe,  worin  er  von  der
Grammatik  also  sagt  (Var.  IX.  ep.  I):  Prima  enim  grammaticorum
  schola  est  fündamentum  pulcherrimum  litterarum,  mater
gloriosa  faeundiae,  quae  cogitare  nouit-,  ad  laudein  loqui  sine
uitio  ....  Est  grammaticci  magistra  uerborum,  ornatrix  huraani
generis,  quae  per  exercitationem  pulcherrimae  lectionis  antiquorum
  nos  cognoscitur  iuuare  consiliis.  Mit  diesen  Worten
hat  der  Barbarenkönig  die  Stellung  und  Bedeutung  der  Grammatik ­
  für  das  europäische  Abendland  inaugurirt,  die  dieselbe
bis  in  das  späte  Mittelalter  eingenommen  und  behauptet  hat.
Als  der  grosse  Frankenkönig  Karl  in  ungewöhnlichem  Umfang
die  classischen  Studien  wieder  aufnahm,  räumte  auch  er  unter
den  sieben  Künsten  der  Grammatik  als  der  ,Mutter  aller  Künste'
die  erste  Stellung  ein,  und  der  Grammatiker  am  Hofe  Karls
Alcuin  beginnt  sein  für  die  Schulen  verfasstes  Buch  de  orthographia
  mit  den  Versen:

Me  legat,  antiquas  uult  qui  proferre  loquelas,
Me  qui  uon  sequitur,  uult  sine  lege  loqui.
Und  als  in  der  Folgezeit  die  von  Karl  dem  Grossen  angefachte
Fackel  der  auf  lebenden  literarischen  Bestrebungen  wieder  im
Erlöschen  war,  bestrebten  sich  noch  die  bedeutendsten  Domwie
  Klosterschulen  die  namhaftesten  Lehrer  der  Grammatik
für  ihre  Lehrstühle  zu  gewinnen.

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