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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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B  ft  d  i  n  g  e  r.

binationen  gemacht  wird,  ist  freilich  noch  lustiger  als  das
Märchen  selbst. 1
Trotz  alledem  und  trotz  der  beiden  unnützen  Kämpfe  der
Meder  unter  ihrem  letzten  einheimischen  Könige  meldet  auch
Herodot’s  Relation  nichts  von  einer  eigentlichen  Eroberung  des
Mederreiches  durch  Cyrus:  die  angesehensten  Meder  beschliessen
förmlich,  wenn  auch  einzeln  befragt, 2  nach  Ilarpagos’  Rathe,
noch  vor  allem  Kampfe,  Cyrus  zum  Oberhaupte  zu  bestellen
und  Astyages’  Königthume  ein  Ende  zu  machen.  Ein  in  einen
Hasen  eingenähtes  Ladungsschreiben  geht  an  den  Perserfürsten
ab,  um  ihn  von  dem  Beschlüsse  zu  verständigen.  Man  wird
bei  der  Erzählung  fast  an  die  chiffrierte  Einladung  der  englischen ­
  Magnaten  erinnert,  die  im  Jahre  1688  an  Wilhelm  von
Oranien  gieng.
In  der  That  scheint  ein  Verhältniss  voller  Gleichberechtigung ­
  des  weit  zahlreichem  und  —  nach  ihrer  Schriftsprache
zu  schliessen  3  —  mit  einer  uralten  Cultur  durchdrungenen
Medervolkes  mit  den  Persern  bei  Cyrus’  Besitznahme  des
Reiches  eingetreten  und  rechtlich  fixiert  worden  zu  sein,  so
dass  die  westlichen  Nachbarn  ihn  zunächst  nur  als  Mederkönig ­
  betrachteten.  Nur  so  erklärt  sich  doch  wohl  auch,  dass
der  Name  der  Meder  bei  den  Griechen  bis  zur  Schlacht  von
Marathon  ein  Schrecken  war 1  und  überhaupt  für  den  der  Perser
gebraucht  wurde,  auch  als  das  Verhältniss  beider  Stämme  zu
einander  sich  längst  geändert  hatte.
Die  Darstellung  des  Ausganges  des  Mederreiches  bei
Herodot  fand  dessen  beharrlicher  Widersacher 5  Ktesias  wohl

1  Sind  die  22  Regieruugsjahre  des  Phraortes  (Herodot  I,  102)  am  Ende
gar  aus  22  Monaten  entstanden,  welche  Pirruvartis’  Empörung  gedauert
haben  mag?  Vgl.  oben  S.  486,  Anm.  2.
"  o'u{J.(JAayo.)v  ivi  sxaaxio  6  f, Ap7üayo<;  xtov  ”pu>xa>v  M^otov  av^ciOs  ypi]  Köpov
Tcpoar/jaaijivou^  ’Acxuayeoc  Trauaai  xrj<;  ßaaiXrji'r]?  I,  129.
3  Wie  sie  Oppert  mm  gelehrt  hat,  a.  a.  O.,  besonders  8.  49  flgde.
4  Tcco«;  oe  v]v  toTot  "EXXyjai  xai  xb  oüvop.a  xb  Mvjocov  cpoßos  axouaat.  Herodot
VI,  112.
5  cr/^oov  sv  aTtacnv  avxtxei'p-sva  'llpoboxco  iaxopchv,  aXXa  xai  6cuaxfjV  auxov  stcs-X^yyov
  sv  ;coXXot<; ! xai  Xoyorcoibv  arcoxaXiüV  sagt  Photius  (Ktesias  ed.  Müller  45).
            
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