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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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Werner.

fünf  Perioden  mit  den  drei  ägyptischen  Perioden  der  Götter,
Heroen  und  Menschen  springt  in  die  Augen.  Das  tadelnde
Urtheil,  welches  Amari  über  die  pythagoräische  Construction
als  Rückschrittstheorie  ausspricht,  trifft  natürlich  auch  die  von
Vico  als  tiefsinnige  Weisheit  bewunderte  ägyptische  Periodisirung
  der  Geschichte;  es  handelt  sich  hier  eben  um  einen
jener  Punkte,  in  welchen  nach  Amari’s  Urtheil  Vico’s  Philosophie ­
  der  Menschheit  dringendst  einer  Berichtigung  und  Umbildung ­
  bedarf.  Amari  bemängelt  die  mythisirenden  Traditionen
über  die  Weltalter  insoweit,  als  sie  gegen  die  Idee  einer  fortschreitenden ­
  Entwickelung  der  Menschheit  ausgebeutet  werden
wollen;  abgesehen  hievon  sieht  er  in  denselben  den  allerdings
entstellten  Reflex  einer  tieferen  Wahrheit,  die  auf  Offenbarung
beruhen  und  aus  urzeitlicher  oder  vorzeitlicher  Ueberlieferung
stammen  möchte.  Diess  zu  vermuthen,  bestimmt  ihn  der  in
der  Bibel  erzählte  gottgesendete  Traum  des  Nebukadnezar  von
der  aus  vier  Metallen  zusammengesetzten  Statue;  1  er  wundert
sich,  dass  der  mit  der  Bibel  vertraute  Vico 2  die  Unterscheidung ­
  zwischen  einem  goldenen,  silbernen,  ehernen  und  eisernen
Weltalter  einfach  nur  für  eine  poetische  Erfindung  später  Zeiten
nehmen  mochte,  welche  das  Heroenalter  schon  weit  hinter  sich
hatten.
Die  unmittelbare  Quelle  der  Lehre  Vico’s  von  der  kreisläufigen ­
  Bewegung  des  Lebens  der  Völker  glaubt  Amari  in
Plato  gefunden  zu  haben,  welchen  Vico  selbst  wiederholt  als
einen  seiner  Lehrer  und  Hauptgewährsmänner  bezeichne;  hätte
er  nicht  aus  Plato  geschöpft,  so  müsste  man  sagen,  er  habe
die  platonischen  Ideen  nochmals  erfunden.  Plato  vereinige  in
seinen  Anschauungen  über  die  Entwickelung  der  Menschheit
die  etruskische  Lehre  von  den  Weltperioden,  die  Lehre  der
Griechen  von  den  auf  einander  folgenden  Weltaltern,  die  pythagoräische ­
  Idee  von  der  ursprünglichen  Vollkommenheit  und
dem  nachfolgenden  continuirlichen  Sinken  der  Menschheit,  die
ägyptische  Lehre  von  den  drei  Zeitaltern,  die  brahmanische
Lehre  von  dem  durch  Erinnerung  wieder  gefundenen  Besitze
1  Amari  macht  (Critica,  p.  298)  auf  die  Nachbildung  dieses  Traumgesichtes
bei  Dante  (Infern.  XIV,  v.  103—115)  aufmerksam,  unter  Beifügung  einer
Erklärung  dieser  Stelle.
2  Seconda  Scienza  nuova,  Lib.  II,  p.  291.
            
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