Der Ausgang des mediachen Reiches.
493
Seltsam genug berührt es dabei, dass Xenophon einigen
Zweifel über Cyrus’ Herkunft von Vaterseite äussert, obwohl
er dann den alten Kambyses oft genug redend und handelnd
einführt; die Tradition über Namen und Herkunft seiner Mutter
Mandane, des Königs Astyages von Medien Tochter, fand er
aber ,einstimmig'. 1 Irgend welche Abhängigkeit der Perser
von den Medern vor wie zu Cyrus’ Zeiten kennt die xenophonteische
Relation nicht. Die Perser erscheinen hier als
freie Bundesgenossen der Meder. Diese werden bald nach
Beginn der Erzählung, da Astyages stirbt, unter Kyaxares’
Regierung von dem übermächtigen Assyrerkönige bedroht. 2
Dessen Macht reicht bis nach Karien und Hyrkanien, und
ist im Kampfe gegen Baktrien; sie wird sonach grösser geschildert,
als sie in Wirklichkeit jemals, selbst unter den Sargoniden,
gewesen ist. Kyaxares II. sendet gegen die von dem
echten, ersten besiegten Assyrer um Hilfe an die Perser; er
wendet sich an die Volksgemeinde derselben (-cb y.ocvcv), an den
König, seinen Schwager, und an seinen Neffen Cyrus, damit
dieser das Commaudo der Hilfstruppen erhalte, wenn die Volksgemeinde
ihre Absendung besehliesse; 3 der Beschluss erfolgt
mit dem Beistände der Bejahrteren. In dieser freien Bundesgenossenschaft
mit den Medern erhalten die Perser eine bessere
Bewaffnung. 4 Die Eroberung Asiens, theils durch freiwilligen
Anschluss der Völker, theils durch Eroberung ist aber Cyrus’
Verdienst. Die Meder halten freilich bei ihm aus, aber gegen
Kyaxares’ Wunsch, und sie erweisen ihrem Könige nur auf
Cyrus’ Wunsch gebührende Ehre. 8 Dass hier ein kaum zu
lösendes Missverhältniss der Ueberlieferung vorliegt, wird gar
nicht verhehlt; nur wird die Sache durch eine vorübergehende
1 Xs’yeTa'. yEvsaÖai Ka[j.ßiaou Hepa&ov ßauO.Ew; .... pjTpb; os öpoXoyEtrai
MctvSavrjs yEvfaöai I, 2, 1. Mit den letzteren Worten wird doch auch
Ktesias zurückgewiesen, der von Astyages sagt, cij; oüosv auroü Küpo;
Jipo; ys'voc b/c,r l u.ix'.'Cß'i (ed. C. Müller 45); denn in der Anabasis I, 8,
26 flgde wird Ktesias citiert, und die Anabasis scheint um mehr als ein
Jahrzehnt älter, als die Cyropädie zu sein.
2 Cyrop. I, 5, 1 und 2.
3 ei' tiv<x$ TEs'pxo'. <jTpoerith-«c ~o üspotöv xoivov I, 5, 4.
* Cyrop. II, 1, 11.
5 Cyrop. II, 1, 9 flgde, V, 5, 37 flgde und 8.