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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

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B  fi  d  i  n  g  e  r.

Ueber  die  historische  Auffassung  des  Autors  in  der
Chronik 1  etwas  Begründetes  für  unsern  Zweck  zu  sagen,  ist
wohl  nicht  leicht.  Dem  ersten  Satze  der  Einleitung  lässt  sich,
mindestens  in  der  allein  erhaltenen  armenischen  Uehersetzung,
nur  der  seltsame  Chiasmus  entnehmen,  dass  der  Autor  in  seinen
Quellen  gewisse  hervorragende  Thatsachen  fand,  die  von  ,Barbaren ­
  und  Griechen,  Tapferen  und  Feigen'  handelten,  wenn
nicht  gar  von  ,Ariern  und  Nichtariern', 2  obwohl  der  letztere
Begriff  doch  wohl  als  erst  durch  die  Wissenschaft  unseres
Jahrhunderts  aufgebracht  scheinen  sollte.  Der  nächste,  auch
griechisch  erhaltene  Absatz  weiss  nur  im  Allgemeinen  von
dem  Bestreben,  die  Gleichzeitigkeiten  ,der  bei  jedem  Volke
Berühmten'  festzustellen;  diese  Absicht  wiederholt  der  Schluss
der  Einleitung. 3
In  beiden  Theilen  des  Werkes  hat  sich  Eusebius  mit
dem  Ausgange  des  Mederreiches  beschäftigt.  Stellt  man  sich
aber  einmal  seine  Listen  der  medischen  Könige  zusammen,  so
wird  man  erst  recht  inne,  wie  diese  mühselige  Forschung  doch
nur  unsichere  Ergebnisse  bewirkt  hat.  Wenn  die  in  den  Excerpta
  Barbari  erhaltenen,  in  der  Namenfolge  und  den  Zahlen
nicht  unwesentlich  abweichenden  Angaben 1  auch  in  diesem
Falle, 5  wie  wahrscheinlich,  auf  Julius  Africanus  zurückgehen,
so  ist  Eusebius  erst  nach  einer  doppelten  kritischen  Wandlung
zu  der  Fassung  gekommen,  welche  so  lange  canonisches  Ansehen ­
  besessen  hat.  In  den  beiden  Büchern  der  Chronik  hat
dass  Ktesias’  vier  letzte  Königsnamen  die  persische  Uehersetzung  der
vier  medischen  Herodot’s  sind,  so  dass  Eusebius’,  eventuell  seiner  Vorgänger, ­
  Auswahl  nur  einen  unschuldigen  Sprachenwechsel  zwischen  persischen ­
  und  medischen  Bezeichnungen  darstcllt.
1  ed.  Alfred  Sehoene,  Berolini  187-5  und  1866.
2  S.  ,ab  Ariis  et  Non-Ariis‘.  Lässt  sich  aber  nicht  aucli  hier,  wie  bei
anderen  Irrungen  des  Armeniers,  durch  eine  Betroversion  in  das  ursprüngliche ­
  Syrisch  helfen,  die  Petermann  anderwärts  (Band  II,  S.  L1V  flgde,
Band  I,  S.  XI)  so  schön  gelungen  ist?
3  Singulorum  regnorum  praeclara  gesta,  quae  ab  Omnibus  gentibus  narrantur.
  I,  7.
4  Bei  Sehoene,  Eusebius,  Anhang  des  ersten  Bandes  S.  221:  I.  Arbakus
a.  28,  II.  Sosarmus  a.  4,  III.  Mamythus  a.  40,  IV.  Cardyceus  a.  23,
V.  Diycus  a.  54,  VI.  Fraortus  a.  24,  VII.  Cyaxares  a.  32,  VIII.  Astyagus
  a.  38.
5  Geizer,  das  Zeitalter  des  Gyges,  Elieinisches  Museum,  neue  Folge,  XXX,  240.
            
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