Emerico Araari in seinem Yerhältniss zu G. B. Yico.
41
digen Wissenschaft des Rechtes, der Geschichte, des Lebens der
Völker, zu einer Philosophie der Menschheit gemacht. Sein
Hauptverdienst um die vergleichende Gesetzeskmide ist, ans Licht
gestellt zu haben, dass es gewisse in der menschlichen Natur
begründete unabänderliche Normen gebe, welchen gemäss Regierungen
und Gesetze, die Entwickelungsgeschichte der Völker und
der Gesammtmenschheit sich gestalten müssen; er schuf mit anderen
Worten eine Metaphysik der vergleichenden Gesetzeskunde.
Diesem Verdienste fügte er noch das weitere bei, um eine
Logik der vergleichenden Gesetzeskunde sich bemüht zu haben,
deren Gesetze zur Auffindung der echten und wirklichen Vergleichungspunkte
der Gesetze der verschiedenen Völker, und
zur Beseitigung falscher und täuschender Analogien dienen
sollten. Ob die von ihm aufgestellten Regeln auch stichhältig
sind? Amari glaubt, dass diese Frage sich nicht so einfach
und schlechthin beantworten lasse; genug, dass Vico durch
dieselben einen mächtigsten Anstoss zu einer geistig vertieften
Behandlung und grossartigen Erweiterung der vergleichenden
Gesetzeskunde gab, und in den Gesetzen der Völker
die Exponenten ihres geschichtlichen Lebens und die unbestreitbaren
Zeugnisse der Lebenseinheit des menschlichen Geschlechtes
erfassen lehrte. In wahrhaft genialer Weise zeigte
er ferner, wie einzelne, sonst kaum beachtete Einzelheiten der
geschichtlichen Ueberlieferung, irgend ein Brauch oder Ritus,
ein Personsname, ein einsilbiges Wort sich zur Reconstruction
einer untergegangenen lebensvollen geschichtlichen Wirklichkeit
verwerthen lasse, 1 ungefähr so, wie Cuvier aus den verein-1
Seit Amari seine kritische Einleitung zur Wissenschaft der vergleichenden
Gesetzeskunde schrieb, sind die Resultate der neueren vergleichenden
Sprachforschung so sehr Gemeingut der wissenschaftlich Gebildeten
geworden, dass an die Stelle der Bewunderung, welche Amari den
genialen etymologischen Ahnungen Vieo’s zollt, nur das Bedauern über
die dem Zeitalter Vico’s unübersteiglichen Hindernisse richtiger sprachwissenschaftlicher
Kenntnisse treten kann. Vico sah in der von ihm entdeckten
wurzelhaften Einheit von Jus und Jovis eine unerschütterliche
Grundsäule seiner Erklärung der antiken Mythologie; heute weiss Jedermann,
dass das altlateinische Diovis auf eine ganz andere sprachliche
Wurzel zurückzuführen ist als Jus. Vgl. über Letzteres Pott, Etymol.
Forsch. III, S. 579.