442
J. Müller.
Butterbereitang’ ein entschiedener Abfall von den ersten Anstalten
dazu ist; constatiren ferner, dass die Ausdrücke maxime
coactum und fluitat völlig unpassend sind von der zähen, aber
keineswegs dichten Fettmasse halbgeschlagener Butter. Und
diese halbgeschlagene Butter wäre Oxygala genannt worden?
Und hätte Plinius so genannt, nachdem er 11, 239 gezeigt, dass
er Oxygala und Butter wohl zu unterscheiden wusste ? 1 Und
alles das hätte ihm, indem er es niederschrieb, nicht zu Sinne
kommen sollen, da doch andererseits seine Beschreibung auch
in der vorliegenden Fassung zeigt, dass er im Allgemeinen über
den vor sich gehenden Process der Sonderung der verschiedenen
Milchbestandtheile nicht im Unklaren war. Ich halte
dafür, es darf der Versuch nicht gescheut werden, den Plinius
in Schutz zu nehmen gegen die späteren Abschreiber seines
Werkes, indem wir aus diesen Folgendes als Plinianisch eruiren :
quod est maxime coactum in summo fluitat. id exemptum —
addito sale oxygala appellant relicum —■ decocunt in ollis. ibi
quod supernatat tollunt. 2 butyrum est oleosum natura, quo magis etc.
Hiernach beschreibt Plinius nicht blos die Butterbereitung,
sondern zugleich das Aussieden der Butter zu Schmalz, und
zwar mit grosser Genauigkeit. Denn jede Butter, auch die
durch Kneten in Wasser sorgfältig gewaschene, mehr aber
natürlich die nicht so behandelte, enthält noch Käsestoff, Molken
und Milchsalze, die erst durch Sieden und Verdampfen
ausgeschieden, und, wie sie sich auf der flüssigen Fettmasse
sammeln, abgeschöpft werden. Das Schmalz ist um so besser
und dauerhafter, je sorgfältiger dies geschieht. Dass aber Plinius
nur als eine Durchgangsstufe ansieht, was wir jetzt eigentlich
Butter nennen, kann um so weniger auffallen, als man
noch heute in einem grossen Theile Süddeutschlands die Sache
kaum anders ansieht. In Tirol z. B. kennt der Bauer den Genuss
von Butter kaum, alle Butter wird zu Schmalz ausgelassen,
so aufbewahrt und zur Bereitung der Speisen verwendet. 3
1 Dort heisst es: densantes id (lac) alioqui in acoreni iucundum et pingue
butyrum.
2 Dies tollüty (las ich eingesetzt habe, konnte zwischen den Silben tat und
hui leicht übersehen werden. Zum Ausdruck vgl. 15, *25 coquitur id in
aqua, innatansque oleum tollitur.
3 Vgl. Hehn a. a. O. S. 139.