Emendationen zur Naturalis Historia des Plinius. IV.
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graphisch, noch ist es, wie Sillig richtig bemerkt hat, denkbar,
dass eine so alte und allgemein verbreitete und von Plinius
selbst anderwärts (14, 16) als zuträglich anerkannte Behandlungsweise
des Weines von ihm hier in so scharfem Tone
völlig verworfen und als Neuerung der gewinnsüchtigen Weinhändler
bezeichnet werde. Aeusserlich wahrscheinlicher ist es
gewiss, wie Detlefsen gethan hat, sit vinum als Dittographie
zu betrachten und zu beseitigen. Aber wenn dabei, wie allerdings
nothwendig, auch die erste Silbe von insaluberrimum als
Dittographie des vorausgehenden m gestrichen und gelesen
wird: vinum fumo inveteratum salubevrimum, so tritt dieser Satz
in unlösbaren Widerspruch mit dem Folgenden. Plinius kann
nicht in einem Athem dieselbe Sache als ganz vortrefflich bezeichnen
und zugleich nicht blos als Neuerung der Weinhändler
tadeln, sondern auch als verkehrt verwerfen.
Mir scheint folgendes theils thatsächlich festzustehen, theils
durch den ganzen Zusammenhang der Stelle gesichert. Das
Räuchern des Weines im Allgemeinen kann Plinius nicht verworfen
haben, weil es allgemein üblich war und als zuträglich
von anderen Schriftstellern und ihm selbst anerkannt wurde. 1
Es kann aber auch an der vorliegenden Stelle speciell nicht
als saluberrimum bezeichnet sein, weil sonst der folgende Tadel
widersinnig wäre. Es muss also in dem Mass des Räucherns
und in der dadurch beabsichtigten und erzielten Wirkung eine
Differenz bestanden haben, über die Columella 1, 6, 20 Aufschluss
gibt: Apothecae recte superponentur Ins locis, unde plerumque
fumus exoritur, quoniam vina celerius vetustescunt, quae
fumi quodam tenore pruecoquem maturitatem trahunt. propter quod
et aliud tabulatum esse debebit, quo amoveantur, ne rursus nimia
suffitione medicata sint. Hiernach würde die Stelle des Plinius
1 Auch 14, 68 wird die Fälschung der Farbe durch Rauch wenigstens minder
getadelt als die Fälschung durch Zusätze. Vgl. 23, 45. Denkbar wäre
daneben, dass speciell zu medicinischem Gebrauche geräucherter Wein als
schädlich bezeichnet werde, wie umgekehrt 23, 45 filtrirter Wein als sehr
zuträglich für Kranke bezeichnet wird, während das Filtriren an sich 19, 53
als Künstelei verworfen wird. Allein hier in §. 40 ist noch im Allgemeinen
von den Vorzügen des Weines die Rede, erst in §. 45 wird zu
seinem Gebrauche in Krankheiten übergegangen: nunc circa aegritudines
sermo de vinis erit.