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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 96. Band, (Jahrgang 1880)

Emerico  Amari  in  seinem  Verhältniss  zu  G.  B.  Vico.

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za  erschlossen,  vornehmlich  die  praktische  Seite  der  philosophischen ­
  Erkenntniss.  Ganz  in  demselben  Geleise  bewegt  sich
Amari,  dem  es  zuhöchst  um  Erkenntniss  der  Gesetze  alles
Wirklichen, 1  speciell  der  civilisirten  Menschengemeinschaft  zu
thun  ist.  Alles  Wissensstreben  hat  nach  ihm  eine  praktische
Tendenz;  wenn  auch  zuhöchst  und  letztlich  die  Wahrheit  um
ihrer  selbst  willen  zu  gelten  hat,  so  ist  es  doch  eben  so  gewiss,
dass  der  nächste  Antrieb  zum  Suchen  derselben  in  den  praktischen ­
  Interessen  des  Lebens  gelegen  ist,  so  dass  es  ohne
einen  solchen  Antrieb  wol  niemals  zum  Suchen  der  Wahrheit
gekommen  sein  würde. 2
Die  Betonung  der  praktischen  Tendenz  alles  Wissensstrebens
  fällt  bei  Vico  unter  gewisse  Gesichtspunkte,  welche
Amari  sich  entgleiten  lässt,  daher  auch  sein  Denkhabitus  trotz
aller  begeisterter  Bewunderung  Vico’s  von  jenem  Yico’s  wesentlich ­
  verschieden  ist.  Bei  Vico  handelt  es  sich  um  die  lebendige ­
  Einheit  des  theoretischen  und  praktischen  Interesses,  die
zum  Wesen  alles  wahren  und  echten  Wissens  und  Erkennens
gehört,  das  ja  selber  lebendige  schöpferische  That  des  Menschen
und  Nachbildung  des  denkhaften  göttlichen  Thuns  sein  soll.
Vico  fasst  alles  höhere  geistige  Streben  des  Menschen  unter
dem  Gesichtspunkte  eines  künstlerischen  Thuns  auf,  dessen
Stoff  und  Object  eigentlichst  der  Mensch  selber  ist,  daher  auch
alles  ausser  dem  Menschen  Seiende  in  seiner  lebendigen  Beziehung ­
  zum  Menschen  verstanden  werden  soll,  und  nur  kraft
eines  solchen  Verständnisses  für  die  Zwecke  der  menschlichen
Selbstbildung  sich  dienlich  erweist.  Die  natürliche  Consequenz
einer  derartigen  Anschauungsweise  wäre  die  Anthropologisirung
alles  Wissens,  welche  sich  philosophisch  dadurch  vollzieht,

1  Quando  l’intelletto  possiede  metodi  e  sistemi,  per  l’ingenita  sua  virtu
e  col  soccorso  potente  della  induzione  applica  i  principii  a  fatti  non
osservati  mai,  ne  dedotti  ancora,  e  da  quello  che  e,  arditaraente  trascende
  a  porre  quello  che  deve  essere,  e  quasi  soverchiando  la  propria
natura,  da  semplice  spettatore  si  trasmuta  in  legislatore  dei  fatti  e  profeta
  della  natura.  Questo  e  1’ultimo  grado  della  cognizione  umana,  il
punto  piü  sublime  cui  possa  sollevarsi  l’intelletto  nella  ricerca  del  vero,
perche  e  la  testimonianza  perenne  della  sua  natura  divina.  Critica
p.  15  f.
2  Critica,  p.  47.
            
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