Emerico Amari in seinem Verhältniss zu G. B. Vico.
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za erschlossen, vornehmlich die praktische Seite der philosophischen
Erkenntniss. Ganz in demselben Geleise bewegt sich
Amari, dem es zuhöchst um Erkenntniss der Gesetze alles
Wirklichen, 1 speciell der civilisirten Menschengemeinschaft zu
thun ist. Alles Wissensstreben hat nach ihm eine praktische
Tendenz; wenn auch zuhöchst und letztlich die Wahrheit um
ihrer selbst willen zu gelten hat, so ist es doch eben so gewiss,
dass der nächste Antrieb zum Suchen derselben in den praktischen
Interessen des Lebens gelegen ist, so dass es ohne
einen solchen Antrieb wol niemals zum Suchen der Wahrheit
gekommen sein würde. 2
Die Betonung der praktischen Tendenz alles Wissensstrebens
fällt bei Vico unter gewisse Gesichtspunkte, welche
Amari sich entgleiten lässt, daher auch sein Denkhabitus trotz
aller begeisterter Bewunderung Vico’s von jenem Yico’s wesentlich
verschieden ist. Bei Vico handelt es sich um die lebendige
Einheit des theoretischen und praktischen Interesses, die
zum Wesen alles wahren und echten Wissens und Erkennens
gehört, das ja selber lebendige schöpferische That des Menschen
und Nachbildung des denkhaften göttlichen Thuns sein soll.
Vico fasst alles höhere geistige Streben des Menschen unter
dem Gesichtspunkte eines künstlerischen Thuns auf, dessen
Stoff und Object eigentlichst der Mensch selber ist, daher auch
alles ausser dem Menschen Seiende in seiner lebendigen Beziehung
zum Menschen verstanden werden soll, und nur kraft
eines solchen Verständnisses für die Zwecke der menschlichen
Selbstbildung sich dienlich erweist. Die natürliche Consequenz
einer derartigen Anschauungsweise wäre die Anthropologisirung
alles Wissens, welche sich philosophisch dadurch vollzieht,
1 Quando l’intelletto possiede metodi e sistemi, per l’ingenita sua virtu
e col soccorso potente della induzione applica i principii a fatti non
osservati mai, ne dedotti ancora, e da quello che e, arditaraente trascende
a porre quello che deve essere, e quasi soverchiando la propria
natura, da semplice spettatore si trasmuta in legislatore dei fatti e profeta
della natura. Questo e 1’ultimo grado della cognizione umana, il
punto piü sublime cui possa sollevarsi l’intelletto nella ricerca del vero,
perche e la testimonianza perenne della sua natura divina. Critica
p. 15 f.
2 Critica, p. 47.